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Chinesische Konkurrenz setzt Alcatel unter Druck

10.02.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Dem französischen TK-Ausrüster Alcatel machen chinesische Wettbewerber zunehmend zu schaffen. "Sie zwingen uns, die Preise zu senken", erklärte Alcatel-Manager Phillipe Germond auf einer Analystenkonferenz. Bei Ausschreibungen würden TK-Firmen mittlerweile verstärkt chinesische Anbieter einladen, nur um die Preise zu drücken. Als Reaktion versuche Alcatel seine Kosten niedrig zu halten, indem das Unternehmen seine Zulieferer zu Preisnachlässen zwingt und die eigene Produktion zunehmend in Billiglohnländer verlagert. Rund 70 Prozent der Fertigung von Breitband-Equipment wurde inzwischen nach China und Mexiko verlagert. Vor wenigen Jahren waren die Produkte noch in Westeuropa hergestellt worden. Außerdem konzentriert sich Alcatel nun verstärkt auf ausgeklügeltere Produkte, etwa TK-Anlagen für die kombinierte Sprach- und Datenübertragung über herkömmliche Telefonleitungen.

Doch der Druck aus China nimmt zu. Insbesondere der chinesische Netzwerkausrüster Huawei konzentriert sich verstärkt auf die Kerngeschäftsfelder von Alcatel. Als einen der ersten Erfolge in Europa konnten die Chinesen vor kurzem den Auftrag an Land ziehen, für den niederländischen Mobilfunkbetreiber Telford ein UMTS-Netz aufzubauen. Daneben habe Huawei auch schon Kunden in Deutschland, Spanien, Schweden und Frankreich umworben, berichtet Germond. Selbst einige der größten Auftraggeber von Alcatel, einschließlich France Télécom, hätten den Konkurrenten eingeladen, sich an einer Ausschreibung zu beteiligen.

Der anziehende Wettbewerb kommt Alcatel und andere westliche Netzwerkausrüster mehr als ungelegen. Erst 2004 hatten die Franzosen nach dreijähriger Durststrecke mit einem Nettogewinn von 281 Millionen Euro wieder die Rückkehr in die schwarzen Zahlen geschafft. Der Umsatz ging jedoch im Jahresvergleich von 12,51 Milliarden auf 12,26 Milliarden Euro zurück (Computerwoche.de berichtete).

Der Alcatel-Manager ärgert sich darüber, dass die chinesischen Wettbewerber starken Einfluss auf den Markt nehmen, ohne darin eine bedeutende Rolle zu spielen. Gemessen am Marktanteil sei die Präsenz der Chinesen in Europa stark begrenzt, in den USA tendiere sie gegen Null, so Germond. (mb)