Digital Leader Award 2018

Checkin, leichtgemacht

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Für Passagiere aller Fluggesellschaften übernimmt die Plattform „AirlineCheckins.com“ kostenfrei und bequem das Check-in. Der im Lufthansa Innovation Hub entstandene Service ermöglicht der deutschen Airline die Vermarktung eigener Angebote an Kunden anderer Airlines.

Wer beruflich viel mit dem Flieger unterwegs ist, kennt das lästige Prozedere: Auf dem Smartphone sammeln sich die Airline-Apps, da jede Fluggesellschaft ihre eigene App für den Online- Check-in per Smartphone vorsieht. Und als wäre das nicht genug, unterscheidet sich die Bedienung von App zu App oft gravierend. Wer den unbeliebten Mittelplatz meiden möchte, muss zudem genau auf die unterschiedlichen Check-in-Zeiten achten: Der frühe Vogel fängt den Fensterplatz. Schluss damit! Nie mehr selbst einchecken, verspricht das Online-Portal AirlineCheckins.com.

Zehn Personen arbeiten an AirlineCheckins.com. Sie kommen aus verschiedenen Konzernbereichen, darunter Produkt & Entwicklung, Marketing und B2B-Sales.
Zehn Personen arbeiten an AirlineCheckins.com. Sie kommen aus verschiedenen Konzernbereichen, darunter Produkt & Entwicklung, Marketing und B2B-Sales.
Foto: Lufthansa

Bei über 200 Airlines, die einen Online-Check-in anbieten, so das Versprechen des Portals, checkt die Site ihre Mitglieder automatisch für ihre Flüge ein und berücksichtigt dabei Wünsche wie etwa nach einem Gangplatz. Hierzu muss sich der Reisende lediglich mit seinen Daten bei AirlineCheckins registrieren und erhält dann eine personalisierte E-Mail-Adresse von der Website. Diese muss er künftig bei Flugbuchungen angeben, um am automatisierten Check-in teilzunehmen. Eine clevere Idee, die die User Experience vieler Reisender nachhaltig verbessern dürfte. Doch was bringt eine Lufthansa dazu, Reisende dabei zu unterstützen, auch bei der Konkurrenz einfacher und bequemer einzuchecken?

Die Antwort ist ganz einfach: In Zeiten immer knapper kalkulierter Flugpreise soll AirlineCheckins.com als „Einfallstor“ für den Aufbau eines neuen Travel-Service-Universums rund um das Fliegen dienen. Dazu wird gerade an der Integration weiterer Services gearbeitet. Hinter der Entwicklung von AirlineCheckins steht der Lufthansa Innovation Hub (LIH), ein alter Bekannter beim Digital Leader Award. 2017 holte das LIH-Team mit der „Lufthansa Open API“ den ersten Platz in der Kategorie Create Impact.

Projekt- Facts

  1. Automatisierter Check-in für Kunden verschiedener Airlines.

  2. Erweiterte Services rund ums Fliegen.

  3. Neue Umsätze im B2B-Business.

  4. Projektstart Juni 2016 – November 2017 erste zahlende B2B-Partner angebunden.

  5. Seit 2018 Entwicklung weiterer Services.

Wie schon das damals vorgestellte Vorhaben Lufthansa Open API hat auch AirlineCheckins einen durchaus disruptiven Charakter: Es stellt den jahrzehntealten und fest etablierten Modus Operandi der Airlines beim Check-in in Frage. Und es geht noch weiter: Die Airlines – auch die Lufthansa selbst – „verlieren“ mit dem Check-in-Service einen wichtigen Customer Touchpoint, an dem häufig Zusatzdienste und -services verkauft werden. Entsprechend groß war der interne Widerstand im Lufthansa-Konzern.

Auf der anderen Seite eröffnet das Projekt ganz neue Geschäftschancen für die Kranich-Linie. Die breite Datenbasis, die der Service generiert, ermöglicht es, den Kunden weitere, an ihren Bedürfnissen orientierte Dienstleistungen anzubieten. Zu den Services zählen beispielsweise die automatische Beantragung eines Visums, die Abwicklung von Entschädigungsansprüchen bei Flugverspätungen oder die Organisation eines Carpools am Flughafen.

Zudem zeichnet sich ab, dass auch Lufthansa-Partner mitverdienen können. So ist das Geschäftsreiseportal TripClick Pro der erste zahlende B2B-Partner, mit dem die Plattform AirlineCheckins seit Oktober 2017 eng zusammenarbeitet. Im Zuge der Kooperation wurde zudem eine B2B-API entwickelt, über die mittlerweile drei weitere zahlende Partner angebunden sind. Darüber hinaus kooperiert man zudem mit der App „Passngr“, die die InfoGate GmbH als Gemeinschaftsprojekt für die Flughäfen München, Düsseldorf, Hamburg sowie Münster/Osnabrück entwickelt. AirlineCheckins wurde in Passngr integriert, so dass Tickets und Bordkarten direkt in dem Wallet der Passngr-App gespeichert werden.