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CeBIT: SAP rechnet mit kleineren Verträgen

18.03.2004

Die Kunden werden auch künftig Software nur in kleinen Portionen kaufen, prognostiziert SAP-Vorstandssprecher Henning Kagermann. Trotzdem gehe es mit der Softwarebranche wieder aufwärts. Inzwischen konzentrierten sich die Unternehmen nicht mehr nur aufs Sparen, sondern auch darauf, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.

Für die Softwarekäufer stehe in erster Linie der Integrationsgedanke im Vordergrund, interpretiert Kagermann die Interessen der SAP-Kunden. Dies spiegle sich unter anderem darin wider, dass 85 bis 90 Prozent der SAP-Klientel sich für die integrierte "Business Suite" entscheide.

SAPs dementsprechende Politik ist jedoch nichts Neues. Seit rund einem Jahr vermarktet das Walldorfer Softwarehaus seine Integrationsplattform "Netweaver". Kagermann zeigt sich mit dem Geschäft zufrieden. Mit rund 300 zertifizierten Partnern und einer 40.000 Köpfe zählenden Entwicklergemeinde habe sich die Plattform im Markt etabliert.

Künftig soll die Bedeutung von Netweaver als zentraler Bestandteil von SAPs Enterprise Services Architecture (ESA) weiter wachsen. So sollen im Laufe des Jahres sämtliche SAP-Anwendungen in die neue Plattform eingebunden werden. Ferner sollen künftig die Release-Zyklen von Netweaver und den Anwendungen wie beispielsweise des R/3-Nachfolgers mySAP ERP 2004 aufeinander abgestimmt werden.

Während die Geschäfte mit den bewährten Konzernlösungen laut SAP-Bekunden nach Plan verlaufen, müssen die Walldorfer ihren Mittelstandsansatz offenbar revidieren. In diesem Segment habe man im vergangenen Jahr festgestellt, dass es keine saubere Definition der Zielgruppe und ihrer Bedürfnisse gebe, räumt Kagermann ein. Deshalb arbeite SAP derzeit mit Analysten zusammen, um diesen Marktbereich exakter zu umreißen.

Vor diesem Hintergrund will sich der SAP-Chef nicht auf einen speziellen Produktfokus für den Mittelstand festlegen. Neben den Paketen "Business One" und "All in One" lasse sich auch "mySAP ERP" oder die Business Suite in diesem Segment verkaufen. Laut Kagermanns vorläufiger Definition zählen dazu Unternehmen zwischen zehn und 1000 Mitarbeitern. Bis 2006 wolle die SAP über 15 Prozent ihres Umsatzes mit Mittelstandsprodukten verdienen.

Helfen soll dabei eine auf der CeBIT besiegelte Kooperation mit T-Systems. Der Dienstleister werde demnach künftig das Business-One-Paket als Hosting-Lösung anbieten. Außerdem wollen beide Seiten zusammen Mobillösungen für Mittelständler entwickeln. Im Zuge der geplanten Vertriebssynergien sei jedoch noch Feinarbeit zu tun, schränkt Kagermann ein. Neben SAP arbeitet die Telekom-Tochter auch mit anderen ERP-Anbietern zusammen, beispielsweise mit Microsoft Business Solutions (MBS) und Soft M.

SAP plant für Business One weitere Ländervarianten. Bislang gibt es 25 Versionen. Außerdem sollen künftig mehr Betriebssysteme unterstützt werden. Ob eine Linux-Version vorgesehen ist, wollte SAP bislang nicht sagen. Insider hatten im Vorfeld der CeBIT darüber spekuliert, die Walldorfer würden eine Open-Source-Variante ihres Mittelstandspakets vorstellen. (ba)