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Carleton Fiorina singt das hohe Lied des nebulösen Adaptive Computing

30.10.2003
Auf einer Tagung von Forrester Research hat sich HP-Chefin Carleton Fiorina zu der Adaptive-Enterprise-Strategie ihrer Firma geäussert.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Auf einer Tagung von Forrester Research hat die Top-Managerin und Unternehmenslenkerin von Hewlett-Packard (HP) sich in einem Vortrag zu der Adaptive-Enterprise-Strategie ihrer Firma geäussert. Allerdings konnte sie den Zuhörern ihre Botschaft nicht sonderlich klar vermitteln.

Carleton Fiorina

Adaptive Enterprise, so Fiorina, sei dann gegeben, "wenn die im Unternehmen verfügbaren wesentlichen Technologien alles das ermöglichen, was ein Unternehmen für sein Geschäftsmodell benötigt." Beim Adaptive-Enterprise-Konzept drehe sich alles darum, "dass Geschäftsentscheidungen in Echtzeit von den IT-Prozessen unterstützt werden."

Ihre etwas sehr allgemein gültigen Aussagen garnierte Fiorina mit einem Beispiel aus dem eigenen Haus und der Art, wie HP Komponentenlieferanten auswählt: Man habe die eigenen Lieferketten-Prozesse vereinfacht und so Zeitvorteile bei der Wahl von neuen Partnern gewinnen können. Die Zeit, um neue Geschäftspartner in den Supply-Chain-Prozess zu integrieren, habe man von fünf Tagen auf zwei Stunden reduzieren können. HP habe bei der Veränderung der eigenen Geschäftsprozesse vier simple Regeln befolgt: Die Geschäftsprozesse gehören vereinfacht, standardisiert, modularisiert und integriert. Leider sagte Fiorina nichts Konkretes dazu, wie genau ihr Unternehmen diese vier Richtlinien verwirklicht hat.

Fiorina betonte, ohne Vereinfachung der Geschäftsprozesse könne man sich an moderne Geschäftserfordernisse nicht anpassen. "Viele Unternehmen," so Fiorina, "sind viel zu komplex aufgestellt und haben ein Bollwerk an Technik aufgebaut, das nur die Kosten treibt und die Firma unflexibel macht." Fiorina schätzt, dass momentan die meisten Firmen nur 30 Prozent ihrer IT-Kapazitäten nutzbringend einsetzen. Würden diese Unternehmen Strategien nutzen wie HPs Adaptive-Computing-Konzept und in intelligenter Weise besser vernetzte Systeme, könnte diese Prozentrate dramatisch gesteigert werden.

Was ist HPs Adaptive-Enterprise-Strategie?

Ein Jahr nach der Compaq-Übernahme präsentierten die HP-Strategen ihr Adaptive-Enterprise-Konzept, mit dem verloren gegangenes Terrain im Unternehmensgeschäft zurückgewonnen werden soll. Firmen sollen mit vorkonfigurierten Paketen ihre IT flexibel an geschäftliche Anforderungen und Veränderungen anpassen können. Geschäftsprozesse und die dahinter liegenden DV-Systeme würden künftig enger miteinander verzahnt, so die neue HP-Linie. "Das Ziel ist, eine standardisierte, modulare und integrierte Infrastruktur aufzubauen", gab HP-Chefin Carleton Fiorina die Richtung vor.

Um dieses Ziel zu erreichen, hatten die HP-Manager im Frühjahr 2003 drei neue "Adaptive Enterprise Services" angekündigt. So sollen HP-Kunden mit Hilfe des "Agility Assessment Service" messen können, welche Rechenleistung einzelne Geschäftsbereiche benötigen. Für diese Methode hat HP gemeinsam mit Wirtschaftswissenschaftlern Geschäftsprozesse verschiedener Industriezweige untersucht. Dabei wurden Parameter wie Zeit, Reichweite und Handhabung als entscheidende Faktoren für Veränderungen und deren Auswirkungen auf die Prozesse identifiziert. Nur Dinge, die sich messen lassen, können verbessert werden, erläuterte Ann Livermore, Leiterin der Servicesparte bei HP. Viele Unternehmen hätten bislang keine Idee, wie sich die Effizienz von Veränderungen im laufenden Geschäftsbetrieb messen lasse.

Mit Hilfe des "Adaptive Application Architecture Service" sollen Anwender in Zukunft ihren Softwarebestand effektiver verwalten können. Die Verantwortlichen versprechen eine kleinere Zahl an Applikationen und damit einen geringeren Aufwand für Integration und Schnittstellen. Eine wichtige Rolle soll dabei HP-Partner Bea Systems mit seinen Middleware- und Web-Services-Angeboten spielen. Der Adaptive Network Architecture Service werde Kunden ferner erlauben, IT-Ressourcen wie Server- und Speicherkapazitäten zu virtualisieren und flexibel im Firmennetz zu verwalten und zu verteilen.

Dieses Versprechen soll HPs "Virtual Server Environment Solution" einlösen, zu dem eine verbesserte Version des unter HP-UX laufenden "Workload Manager" sowie eine in HPs Framework "Openview" eingebundene Selbstheilungssoftware gehören sollen. Administratoren könnten mit der Version 2.1 des Workload Manager Parameter für die Leistungsansprüche jeder im Netz verfügbaren Applikation definieren. Das Tool werde eng mit anderen Virtualisierungsfunktionen von HP wie Partitionierung, Clustering und Capacity on Demand zusammenarbeiten, kündigte Nora Denzel, Senior Vice President für HPs Softwareeinheit, an. Die Selbstheilungs-Features in Openview sollen Fehler in IT-Systemen automatisch aufspüren, alle dazu relevanten Daten sammeln, analysieren und an die Administratoren weiterleiten. Wie sich die HP-Verantwortlichen das virtualisierte Rechenzentrum der Zukunft vorstellen, sollen die Utility-Data-Center- (UDC-)Installationen in den HP-Laboren im kalifornischen Palo Alto

und dem englischen Bristol zeigen.

Neben den Services und Produkten will HP künftig zehn fertige Lösungspakete anbieten, die sich aus Hardware, Software, Dienstleistungen sowie Produkten von Partnern zusammensetzen. Sechs dieser Offerten sollen Kunden dabei helfen, ihre IT-Infrastrukturen beweglicher zu gestalten.(jm/ba)