CAPITIX: Capital Stage legt Index für IT-Startups auf

07.02.2002
MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die deutsche IT-Gründerszene schwankt seit Monaten zwischen Agonie und einer trotzigen Jetzt-erst-recht-Stimmung - nachdem das vermeintliche Scheitern der viel zitierten New Economy die Zukunftsfähigkeit einer ganzen Branche in Zweifel gezogen hat. Die Capital Stage IT/New Media GmbH will nun mit einem speziellen Index die weitere Entwicklung hiesiger IT-Newcomer wissenschaftlich begleiten.
Oliver Bube, Geschäftsführer von Capital Stage IT/New Media
Oliver Bube, Geschäftsführer von Capital Stage IT/New Media

Erstmals aufgelegt wurde das branchenspezifische Trendbarometer "CAPITIX" (Capital Stage Information Technology Index) im dritten Quartal 2001. Die Initiative von Capital Stage IT/New Media, einer Tochter der Hamburger Finanzdienstleistungsgruppe Capital Stage AG, soll nach den Worten von Geschäftsführer Oliver Bube mit dazu beitragen, den angesichts vieler Internet-Pleiten und allgemein schwacher Marktlage derzeit etwas angekratzten Ruf der IT-Industrie wieder aufzupolieren.

Fünf der zehn wertvollsten Marken kämen, so Bube, aus dem IT- und New-Media-Umfeld; die zehn größten IT- und Medien-Firmen verdienten deutlich mehr als 50 Milliarden Euro und beschäftigten über eine Million Menschen. Junge Unternehmen seien deshalb "tragende Säulen für die Zukunft der gesamten Branche". Bedeutung hat der Bereich IT/New Media nach wie vor auch bei den Investitionen der Muttergesellschaft Capital Stage AG, die sich darüber hinaus in den Wachstumsmärkten Biotechnologie, Neue Energien und Advanced Technologies engagiert.

Pro Quartal gehen den Angaben zufolge bei der Capital Stage AG, deren Kerngeschäft in den Bereichen Beteiligungskapital und Wertpapierdienstleistungen liegt, nach wie vor zwischen 70 und 130 Beteiligungsanfragen von Unternehmen aus dem IT- und New-Media-Sektor ein. Die entsprechenden Businesspläne bieten - selbstverständlich streng anonym - die Informationsbasis für die Indexberechnung. Relevante Daten der Newcomer wie Mitarbeiter- und Umsatzplanung, Zeitkorridor bis zum Break-even sowie eigene Investitionen werden verdichtet und gegen bereits existierende und vergleichbaren Beteiligungen im Capital-Stage-Portfolio gespiegelt. Wissenschaftlicher Beirat bei der Entwicklung des CAPITIX war Assistenzprofessor Stefan Buse vom Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Universität Hamburg.

Die CAPITIX-Formel       Quelle: Capital Stage
Die CAPITIX-Formel       Quelle: Capital Stage

Gestartet wurde der Index, wie eingangs erwähnt, im dritten Quartal 2001 mit dem Wert 1000 (vergleichbar dem Nemax oder Dax), der im vierten Quartal 2001 auf 812 Punkte zurückgegangen ist. Dies könne, so die erste Interpretation von Oliver Bube, als Anhaltspunkt dafür gesehen werden, dass die fast grenzenlose Phantasie junger Unternehmer im IT- und New-Media-Sektor einer realistischeren Markteinschätzung gewichen ist.

So seien etwa kostspielige internationale Expansionsstrategien wie der früher so beliebte Gang über den großen Teich seltener geworden. Investitionsschwerpunkte in den Businessplänen der IT-Unternehmer bleiben dagegen nach wie vor Entwicklung und Programmierung mit 43 Prozent (Vorperiode 33 Prozent) sowie Marketing (Q3: 40 Prozent) und Vertrieb (Q3: 25 Prozent) mit jeweils 50 Prozent. Die Umsatz- und Ergebnisplanungen bei Startups seien für das aktuelle und kommende Jahr deutlich niedriger angesetzt. Als Ausgleich soll anschließend das Wachstum umso stärker werden und die ersten 24 Monate kompensieren.

Verwendungszweck des Kapitals (Mehrfachnennungen möglich)    Quelle: Capital Stage
Verwendungszweck des Kapitals (Mehrfachnennungen möglich)    Quelle: Capital Stage

Bube hält die Vorlaufzeiten für eine Marktdurchdringung aber in vielen Fällen noch immer für sehr optimistisch: "Ohne ein klares Profil und Prioritäten bei der Kundenakquisition haben junge Unternehmer wenig Chancen im umkämpften IT-Markt." Gegenüber dem dritten Quartal hat sich auch der anvisierte Zeitraum bis zum Break-even im Durchschnitt von 18 auf 19 Monate verlängert. Ab Gründung werden im Schnitt 49 Monate eingeplant, um erstmals positive Ergebnisse vorzuweisen. Investoren müssen sich demnach künftig etwas mehr gedulden, da die Startups erst später schwarze Zahlen schreiben.

Auch das Wachstumspotenzial in den einzelnen IT-Segmenten hat sich etwas geändert: So sank die Wachstumsperspektive in Bereich IT-Security, allerdings wird dieses Segment im Vergleich zum vorhergegangenen Quartal nun als früher profitabel eingeschätzt. Ob die Terroranschläge von 11. September in diesem Zusammenhang einen Einfluss auf künftige Planungen haben, werde sich laut Geschäftsführer Bube in der nächsten Auswertung zeigen. Dagegen sehen die Gründer im Segment New Media, dazu zählen Streaming-Lösungen oder innovativen Kommunikationstechniken, eine höhere Wachstumsperspektive bei gleichbleibender Profitabilität. Es gehört damit zu den interessantesten Zukunftsbereichen der IT-Branche.

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