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Caldera macht seinen Frieden mit Erzfeind Microsoft

11.01.2000
Geld sammeln für den Börsengang

CW-Bericht von Hermann Gfaller

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Linux-Anbieter Caldera hat sich in dem seit 1996 laufenden Rechtsstreit mit Microsoft um den MS-DOS-Konkurrenten DR-DOS unmittelbar vor Prozesseröffnung gütlich geeinigt. Das Unternehmen braucht Geld, um sein Geschäft mit Linux durch einen Börsengang zu stimulieren.

"Diese Ereignisse sind längst untersucht und abgehakt“, reagierte Microsoft-Sprecher Mark Murray, als Caldera im Juli 1996 Klage erhoben hatte, weil die Redmonder in den Jahren um 1990 das damals dem MS-DOS-Betriebssystem in einigen Punkten überlegene Konkurrenzprodukt DR-DOS mit unfairen Mitteln vom Markt verdrängt habe. Nach jahrelangem Tauziehen der Juristen hatte ein US-Gericht die Vorwürfe des Klägers ernst genommen und den ersten Verhandlungstag auf den 17. Januar 2000 festgesetzt, dann aber auf 1. Februar verschoben.

Wenn es nun überraschend zu einer Einigung gekommen ist, so liegt das vor allem an einem Strategiewechsel bei Caldera. Seit 1996 wird DR-DOS von der Caldera Inc. als schlankes Betriebssystem für Telefone und Computerkioske vermarktet. Noch 1998 sollte es als Basissoftware für besonders schnelle Internet-Geräte positioniert werden. Inzwischen hat das Unternehmen, das 1999 bei einem Umsatz von 3,1 Millionen einen Verlust von 9,4 Millionen Dollar erwirtschaftete, DR-DOS aufs Abstellgleis geschoben und konzentriert sich stattdessen auf das Geschäft mit Linux. Konkret bereitet Caldera derzeit seinen Börsengang vor, um sich seinen Anteil an den Schwindel erregenden Bewertungen für Hightech-Aktien zu sichern – zumal Linux an der Wallstreet fast ebenso hoch im Kurs steht wie das Internet.

Für den Börsengang braucht Caldera allerdings Anfangsinvestitionen in Höhe von 57,5 Millionen Dollar. Rund 30 Millionen Dollar hat das Unternehmen inzwischen durch Partnerfirmen wie Sun Microsystems, Citrix, Novell und Santa Cruz Operation aufgebracht. Beim Rest dürfte nun Microsoft geholfen haben. Über die Vereinbarung ist inzwischen durchgesickert, dass Microsoft eine Einmalzahlung von 155 Millionen Dollar leistet, die den Umsatz des Konzerns um drei Cent je Aktie drücken soll. Damit erhält Caldera nur einen Bruchteil des angepeilten Schadenersatzes von 1,6 Milliarden Dollar.

Für den noch laufenden Monopolprozess gegen Microsoft könnte von Bedeutung sein, dass es im Falle von DR-DOS unter anderem auch um die Verschmelzung zweier bis dahin getrennter Techniken ging. Wie sich Netscape durch die Integration von Windows und dem Browser „Internet-Explorer“bedroht sah, so hatten damals die DR-DOS-Eigner Digital Research und Novell mit der Verschmelzung von MS-DOS mit der Windows-Benutzeroberfläche zu kämpfen. Windows-Anwendungen liefen nicht auf ihrem Betriebssystem.