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CA wirbt neuen CEO von IBM ab

23.11.2004
Nach siebenmonatiger Suche hat Computer Associates IBMs weltweiten Vertriebschef John Swainson (50) als neuen CEO gewonnen. Eine Ankündigung soll noch heute erfolgen.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Computer Associates (CA) holt nach siebenmonatiger Suche seinen neuen CEO (Chief Executive Officer) von außen: John Swainson (50), seit 26 Jahren bei der IBM und zuletzt weltweiter Vertriebschef, soll neuer Chef des Softwarekonzerns mit Sitz in Islandia, New York, werden.

Swainson hatte bei Big Blue unter anderem den Middleware-Stack "Websphere" entwickelt. Er leitete den Websphere-Bereich von 1997 bis 2004, bevor er an die Spitze der weltweiten Vertriebsorganisation berufen wurde. Laut "Wall Street Journal" reichte er am vergangenen Freitag seine Kündigung ein, IBM wollte dies nicht offiziell kommentieren.

Swainson wird der erste Outsider (neben Interims-CEO Kenneth Cron) an der Spitze von CA, das lange mit Charles Wang verbunden wurde, der die Firma 1976 gegründet hatte und das Zepter im Jahr 2000 an seinen Protégé Sanjay Kumar weiterreichte. Kumar steht inzwischen wegen Betrugs vor Gericht und wurde in diesem Jahr zusammen mit anderen hochrangigen Managern im Zuge der Aufdeckung eines Bilanzskandals geschasst. Er plädierte allerdings auf nicht schuldig.

Nach Angaben von Chairman Lewis Ranieri hatte Computer Associates fast 30 Kandidaten in der engeren Wahl für seinen Chefsessel. Insidern zufolge standen unter anderem weitere hochrangige IBMer auf der Liste, darunter Steven Mills und Michael Daniels, ebenso wie verschiedene Top-Manager von General Electrics. SAP-Vertriebschef Leo Apotheker gehörte ebenfalls zu den Finalisten, machte aber einen Rückzieher, nachdem er in Zeitungsberichten als bevorzugter Kandidat kolportiert worden war.

Nachdem sich CA als Gesamtunternehmen nicht wegen seiner Falschbilanzierung vor Gericht verantworten muss, sind Verwaltungsrat und Management zuversichtlich, dass die Firma wieder auf festen Beinen steht und die Ernennung eines neuen CEO zu den letzten Schritten der Ablösung des alten Regimes gehört. Eine offizielle Ankündigung der Ernennung Swainsons wird noch heute erwartet.

CA gehört zu den größten Softwareanbietern weltweit und bietet vor allem Programme an, die im Backend großer Unternehmen laufen. In der jüngeren Vergangenheit adressiert der Hersteller aber verstärkt auch kleine und mittlere Anwender und sogar Consumer. In diesen Bereichen wird sich auch Swainson engagieren, auch wenn er gleich klarstellte: "Wir werden nicht unseren Fokus auf unsere Kernkunden verlieren - unsere Enterprise-Kunden."

Computer Associates war seit April dieses Jahres führungslos, als das Board Kumar seiner Ämter als CEO und Chairman enthoben hatte. Kurz zuvor hatte sich der frühere Finanzchef Ira Zar wegen Anlagebetrugs und Verschleierung schuldig bekannt und noch zwei weitere Manager belastet, von denen sich einer als Kumar erwies. Insgesamt haben sich bislang fünf frühere CA-Manager im Zuge der Ermittlung der US-amerikanischen Bundesbehörden schuldig bekannt.

Zwischenzeitlich übernahm dann Kenneth Cron den CEO-Posten, er war einer von wenigen Verwaltungsratsmitgliedern mit Erfahrung in der Hightech-Branche. Swainson wird unmittelbar als President und designierter CEO zu CA stoßen und den Chefposten nach einer Einarbeitungsphase irgendwann in den kommenden Monaten von Cron übernehmen. Dessen Vertrag läuft noch bis Ende März kommenden Jahres, und er wird laut Ranieri anschließend noch eine zeitlang im Board verbleiben.

Nitsan Hargil, Analyst bei Friedman, Billings, Ramsey & Co., hält es für eine weise Entscheidung, dass sich das CA-Board für einen externen Kandidaten mit gründlicher Software-Erfahrung entschieden hat. Interessant machte den Manager vor allem seine Websphere-Bilanz. "Binnen drei Jahren nach dem Launch hat IBM die führende Position im Middleware-Markt übernommen", kommentierte John Thompson, Vice President der Personalberatung Heidrick & Struggles International, die CA bei der Auswahl behilflich war.

Sein Kollege Steve Mader von Christian & Timbers erklärte: "Das ist das erste Mal, dass sich CA etwas aufgeschlossener dafür erweist, wie der Rest der Welt Business macht. Einen Top-Mann von IBM zu holen, ist ein wichtiges Statement." Der IBM nahe stehende Berater Frank Dzubeck hält den neuen CEO ebenfalls für eine gute Wahl. "Swainson ist bekannt als aggressiver Son-of-a-gun - ein guter Vertriebler und ein guter Manager", so Dzubeck. "Den kann man nicht veräppeln - er ist lange genug als Wettbewerber von CA im Geschäft und er weiß was falsch läuft." (tc)