Das Rätselraten um den künftigen Partner geht weiter

Bull möchte NECs 16-Wege-Server "Azuza" mit AIX-5L verkaufen

10.11.2000
MÜNCHEN (CW) - Group Bull SA will einen 16-Wege-Server von NEC vertreiben, der mit Intels neuen Itanium-Prozessoren und dem Betriebssystem "AIX-5L" laufen soll, das IBM unter dem Codenamen "Monterey/64" speziell für die neue Intel-Plattform entwickelt hat. Damit knüpfen die Franzosen neue Verbindungen zu beiden potenziellen Partnern im künftigen Server-Geschäft.

Nachdem die Entwickler von Bull bereits im Juni dieses Jahres das Betriebssystem AIX-5L auf einem Acht-Wege-System mit Itanium-CPUs zum Laufen gebracht haben, folgt jetzt eine 16-Wege-Maschine. Der "Azuza"-Server von NEC arbeitet mit dem "Aqua"-Chipsatz der Japaner. Dieser basiert auf einem modifizierten Itanium-Chipsatz "80460 GX" von Intel. Während die Intel-Lösung bislang nur Vier-Wege-Systeme unterstützt, arbeitet die NEC-Variante mit bis zu acht Prozessoren.

Der Azuza-Server basiert auf zwei Aqua-Chipsätzen, die in einer cc-Numa-Architektur zweimal acht CPUs zusammenschalten (Numa steht für Non Uniform Memory Access). Damit präsentiert sich das System als Cluster aus vier Vier-Wege-Modulen, von denen jedes bis zu 16 GB Hauptspeicher adressieren kann.

Die Verantwortlichen bei NEC hoffen, die ersten Azuza-Rechner Ende dieses Jahres ausliefern zu können. Kurz darauf will der französische Server-Anbieter bereits seine Varianten mit AIX-5L vorstellen. Dieser Zeitplan hängt jedoch von Intel ab. Erst wenn der Itanium-Chip offiziell auf den Markt kommt, können die Server- und Betriebssystem-Hersteller loslegen.

Mit IBM und NEC knüpft Bull weiter enge Bande zu beiden möglichen Partnern des zukünftigen Server-Geschäfts. Die Verbindung zu Big Blue basiert auf einer langjährigen Vertriebspartnerschaft, während der die Franzosen die RS/6000-Maschinen der Armonker unter dem Markennamen "Escala" verkaufen. Eine Zusammenarbeit mit IBM bei Intel-basierten Servern halten Insider dagegen für unwahrscheinlich, trotz der Kooperation beim Betriebssystem AIX-5L.

Im Bereich für Intel-Server hat NEC die besseren Karten. So halten die Japaner, die bereits mit 17,4 Prozent am gesamten Konzern beteiligt sind, einen 50-prozentigen Anteil am Intel-Server-Geschäft von Bull. Im Oktober letzten Jahres vereinbarten beide Firmen ein Joint Venture, das NEC-Server in Europa vermarkten soll.

Nachdem Bull-Chef Guy de Panafieu vor kurzem angekündigt hat, für das Server-Geschäft einen finanzstarken Partner zu suchen, geht das Rätselraten weiter (siehe CW 42/00, Seite 53). Auch die jüngste Produktstrategie des in Louveciennes ansässigen Unternehmens lässt keine exakten Rückschlüsse darauf zu, wer letztendlich den Zuschlag bekommen wird.