Web

 

BT will ISPs für Hyperlinks zur Kasse bitten

20.06.2000
Vergessenes US-Patent wiederentdeckt

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Einige Internet-Service-Provider (ISPs) in den USA dürften sich ziemlich erschrocken haben, als sie eine Aufforderung von British Telecommunications (BT) erhielten, Patentgebühren an den britischen Carrier abzuführen. Das Unternehmen behauptet, die Rechte an einer Technologie zu besitzen, ohne die Hyperlinking im Internet nicht möglich wäre. Für die Nutzung seines Patents will BT nun kräftig kassieren. Experten rechnen mit Forderungen in Millionenhöhe.

BT hat sein Augenmerk vor allem auf die USA gerichtet, wo das Patent noch bis 2006 gilt. Der britische Carrier hatte die Technologie 1980 beim US Patent and Trademark Office (USPTO) angemeldet und das Patent 1986 mit einer Laufzeit von 20 Jahren erteilt bekommen. Dass sein Patent in den USA noch gültig ist, hat der Carrier nur dem langsamen Patentierungsprozess jenseits des Atlantiks zu verdanken - in allen anderen Ländern ist es längst ausgelaufen.

Erstaunlich ist allerdings, dass BT erst jetzt auf die Idee kommt, aus seiner Technologie Profit zu schlagen. Ein Sprecher des TK-Konzerns erklärte, erst seit kurzem erweise sich dieses Patent als lukrativ, da Hyperlinking noch nicht sehr lange zu kommerziellen Zwecken eingesetzt werde. Andere Quellen schreiben die späte Reaktion von BT der allgemeinen Trägheit des Unternehmens zu. Demnach soll das Patent zufällig vor zwei Jahren bei einer Routineuntersuchung der rund 15 000 weltweit angemeldeten Patente entdeckt worden sein. Man engagierte die Firma Scipher Plc., die auf das Eintreiben von Patentrechtsgebühren spezialisiert ist. Als die das Unternehmen gestern seine neu gewonnenen Kunden und Verträge veröffentlichte, erfuhr schließlich auch die Öffentlichkeit von BTs Rechten an der Hyperlink-Technologie.

Die Briten wollen zunächst nur die ISPs in den USA zur Kasse bitten, allerdings betrifft das Patent streng genommen jeden Amerikaner, der im Internet zwischen verschiedenen Websites hin- und hersurft, indem er auf verlinkten Text oder verlinkte Bilder klickt. Dazu erklärte BT gestern: "Wir versuchen nicht, alle von der Internet-Nutzung abzuhalten. Wir wollen lediglich angemessene Gebühren auf Basis der Umsätze, die andere Unternehmen mit unserem intellektuellem Eigentum erwirtschaften." Ob BT jedoch mit seiner Forderung in den USA Erfolg hat, bezweifeln die meisten Experten. Schließlich handele es sich hier um einen grundlegenden und wichtigen Teil des Internet. Bei Allgemeingut sei es schwierig, Patentrechte einzuklagen. Derzeit versuche viele Unternehmen mit ähnlichen Forderungen durchzukommen. So verklagte der Online-Handel Amazon.com im vergangenen Jahr seinen Konkurrenten Barnesandnoble.com wegen Verletzung seines "One-Click"-Patents, das den Einkauf im Web vereinfacht (CW Infonet berichtete).

BT zufolge geht des nicht darum, Tim Berners-Lee, der allgemein als Erfinder des Web bezeichnet wird, etwas wegzunehmen: "Allerdings haben wir eine Methode zur Strukturierung von Informationen entwickelt, die den Zugriff darauf vereinfacht." Die Briten waren mit ihrer Entdeckung auf jeden Fall eher dran als Berners-Lee und seine Kollegen, die die heutigen weltweit gängigen HTML- und HTTP-Standards für Websites zwischen 1989 und 1992 in Genf entwickelten.

Die Hyperlink-Technologie von BT wurde in den 70er Jahren für das Informationsnetzwerk der britischen Post entwickelt, zu der das TK-Unternehmen damals noch gehörte. Sie erlaubte es den Mitarbeitern, von Mitteilungen von einem Server zum anderen zu senden oder auf Bildschirm-basierte Informationen zuzugreifen. In jener Zeit vor der Ära der billigen PCs war an einen Massenmarkt für dieses System jedoch noch nicht zu denken. Das Patent wurde zwar angemeldet, verschwand aber anschließend in den unendlichen Archiven des britischen Carriers. Da die Technologie-Rechte außerhalb der USA inzwischen ausgelaufen sind, müssen sich ISPs in Asien und Europa keine Sorgen machen.