BS2000-Anwendung von Strukturzwängen befreit

09.09.2004
Von Berthold Wesseler
Die Infrastruktur war am Ende ihres Lebenszyklus angekommen, die Applikation aber unersetzbar. Deshalb beschloss der Wiesbadener Rechtsschutz-Versicherer Deurag, seine BS2000-basierende Schadenabwicklung neu aufzusetzen - in einer Open-Source-Umgebung.

Der deutsche Markt für Rechtsschutz-Versicherungen ist von Großkonzernen hart umkämpft. Unter den 46 Anbietern auf diesem 2,5 Milliarden Euro schweren Versicherungssektor gibt es nur wenige Spezialisten. Zu ihnen zählt die Deutsche Rechtsschutz AG (Deurag) mit Sitz in Wiesbaden. Für sie gilt es, angesichts der finanzkräftigen Konkurrenz die eigene Kernkompetenz zu stärken, sich am Markt gut zu positionieren und dabei ihre Stückkosten zu minimieren. Das bedingt auch eine leistungsfähige IT.

Nach der Renovierung ist so manches "Legacy Asset" funktional und ästhetisch wertvoller als ein Neubau.   Foto: Kassandra/pixelquelle.de

Bis zum Juni 2002 ließ die Deurag ihre informationstechnischen Systeme von der ehemaligen Muttergesellschaft Die Continentale AG betreiben. Im Zuge des Management-Buyouts wollte der Rechtsschutz-Versicherer nun seine IT in die eigene Hand nehmen. Überdies reifte in diesem Rahmen auch die Vision, die bewährte und quasi konkurrenzlose Anwendung Schadenabwicklung" als Dienstleistung für andere Versicherer anzubieten. Doch das war leichter gesagt als getan. "Wir waren gebunden an den langjährigen IT-Dienstleister der früheren Muttergesellschaft und technisch weitgehend von den dortigen Systemplanungen abhängig," erinnert sich Deurag-Vorstand Karlheinz Kutschenreiter.

Das Rechenzentrum der in Dortmund beheimateten Continentale basierte auf dem Siemens-Betriebssystem BS2000. Bei der Implementierung der Schadenabwicklung hatten zwar leistungstarke, aber hochproprietäre Komponenten Verwendung gefunden. Zudem waren die Basis- und Randsysteme stark miteinander gekoppelt. Der Versuch einer funktionalen Dekomposition entpuppte sich als Sisyphusarbeit; mangels Dokumentation und wegen des mittlerweile abhanden gekommenen Know-hows wäre er zumindest extrem zeitaufwändig gewesen. Eine Mandantenfähigkeit ließ sich also kaum herstellen. Diese aber war für die geplante Vermarktung des Systems unabdingbar. Darüber hinaus hing das von Siemens angekündigte "Auslaufen" der Plattform BS2000 wie ein Damokles-Schwert über allen längerfristigen Plänen für die Ausrichtung der Anwendung.

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