Rätselhafte Übernahme

Broadcom lässt sich CA 19 Milliarden Dollar kosten

12.07.2018
Von 
Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE und CIO. Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung beider Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte und moderiert Veranstaltungen.
Der Halbleiterhersteller Broadcom hat überraschend angekündigt, CA Technologies für 18,9 Milliarden Dollar zu übernehmen und so in das Geschäft mit Enterprise-Software einzusteigen. Marktbeobachter reagieren mit Skepsis.

Broadcom zahlt 44,50 Dollar je CA-Aktie, was einem Aufschlag von 20 Prozent entspricht, so teilten die Unternehmen gestern nach Börsenschluss in einer gemeinsamen Erklärung mit. Für ein Unternehmen, das seit Jahren kaum wächst und nach wie vor einen starken Fokus auf den seit Jahren schwächelnden Mainframe-Markt hat, ist das ein stolzer Preis, zumal Broadcom bislang keine Erfahrung im Softwaremarkt gesammelt hat.

Broadcom stellt eine breite Palette an elektronischen Bausteinen her, darunter auch für WLAN oder Bluetooth.
Broadcom stellt eine breite Palette an elektronischen Bausteinen her, darunter auch für WLAN oder Bluetooth.
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Broadcom-CEO Hock Tan verfolgt indes einen aggressiven Wachstumskurs, der nicht zuletzt von Übernahmen getragen wird. Besonders spektakulär war im vergangenen Jahr der Versuch, den Mobile-Chip-Giganten Qualcomm im Rahmen einer feindlichen Übernahme für 114 Milliarden Dollar zu schlucken. Der Deal wurde von der amerikanischen Regierung aus Gründen der "nationalen Sicherheit" verhindert. Die Strategie von Tan besteht darin, Zukäufe in angrenzenden oder komplementären Technologiebereichen zu kaufen, radikal auf die Filetstücke dieser Übernahmen zu fokussieren und die überflüssigen oder kostenträchtigen Bereiche dieser Firmen wieder abzustoßen, um so den Profit hochzutreiben.

Ziel: Führender Infrastruktur-Anbieter

Mit CA hat es Tan jetzt auf das Geschäft mit Business-Software abgesehen. CA unterhält viele langfristige Verträge mit Kunden rund um den Globus, die Broadcom zu einem stetigen Umsatzfluss verhelfen sollen. Außerdem ist das Softwarehaus bei geringem Wachstum hochprofitabel. "Diese Transaktion repräsentiert einen wichtigen Baustein in unserem Plan, eine der weltweit führenden Infrastruktur-Technologie-Unternehmen zu bauen", sagte Tan in einem Statement. "Wir beabsichtigen, diese Geschäftsfelder weiter zu stärken, um der wachsenden Nachfrage nach Infrastruktur-Softwarelösungen gerecht zu werden."

Tan baut Broadcom durch die Übernahme profitabler Unternehmen gezielt als Konglomerat aus. Dabei macht der Hersteller, der bislang Komponenten für Computer, Smartphones und Netzwerkgeräte offeriert hat, nun auch vor Softwarehäusern keinen Halt. Die Produkte und Dienstleistungen von Broadcom und CA überschneiden sich in keiner Weise. Das dürfte für Broadcom auch die Chancen erhöhen, den Deal behördlich genehmigt zu bekommen. Übernahmen, die sich auf die Chipindustrie beschränken, gelten dagegen als hochsensibel, zumal diese Bausteine oft in militärischem Equipment verbaut werden.

Mainframe-Abhängigkeit macht CA zu schaffen

CA dagegen entwickelt Software für den IT-Betrieb, Security, Projekt-Management und Software-Entwicklung. Das Unternehmen hat traditionell einen Fokus auf Mainframe-Produkte, wenngleich es dabei ist, diesen auf neue Erlösquellen wie das Cloud-Geschäft zu verlagern. Im letzten Quartal des Geschäftsjahres 2018 erwirtschaftete CA allerdings noch rund die Hälfte seines Umsatzes mit Großrechner-Lösungen, dieser Bereich trug sogar 90 Prozent zum Gewinn des Unternehmens bei. Insgesamt sollen sich die Einnahmen im laufenden Fiskaljahr 2019 auf einen Betrag zwischen 4,25 bis 4,29 Milliarden Dollar belaufen, was einen leichten Anstieg gegenüber dem Vorjahr bedeuten würde.

In einem Kommentar schreibt der Nachrichtendienst "Bloomberg", es sei nicht zu erkennen, wie Broadcom CA helfen könne, seine Transformation weg vom Mainframe-Business voranzutreiben. Ebenso unklar sei, was CA Broadcom bieten könne. Es gebe auch keine nachvollziehbaren Chancen für Synergien, da sich weder in der Kundenbasis noch in der Supply Chain Überschneidungen zeigten. Wenn es angesichts des hohen Preises überhaupt einen Vorteil für Broadcom gebe, dann die Tatsache, dass die behördliche Genehmigung wohl kein großes Problem darstellen werde.