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Brewster Kahle archiviert das Internet

29.03.2000

BARCELONA (COMPUTERWOCHE) - Nie von Brewster Kahle gehört? Nach seinem Studium am MIT in Boston gründete der Visionär 1983 Thinking Machines (das mit massivparallelen Supercomputern an Missmanagement scheiterte), erfand Ende der 80er Jahre mit WAIS (Wide Area Information Systems) ein erstes Internet-Tool, um räumlich getrennte Informationen zu verknüpfen und tat sich schließlich 1996 mit Bruce Gilliat zur Company Alexa Internet (liefert die Technik für den "What´s related"-Knopf in Ihrem Browser) zusammen. WAIS Inc. verkaufte Kahle an AOL, und für Alexa fand sich im vergangenen Jahr mit Amazon.com ein weiterer prominenter Käufer.

Seine Profite aus diesem "zweimaligen Gewinn der Nasdaq-Lotterie" (O-Ton Kahle) investiert der Visionär seit 1996 zu einem Gutteil in das gemeinnützige Projekt "The Internet Archive". Dort - im Presidio, einem Stadtteil von San Franzisko - werden in regelmäßigen Intervallen die kompletten Inhalte des World Wide Web archiviert. Analog zur historischen Bibliothek von Alexandria wollen die Betreiber eine Art universeller Sammlung des gesamten Wissens der Menschheit aufbauen und verhindern, dass das Internet seiner Geschichte verlustig geht. Bislang ist das Archiv allerdings nicht für jedermann, sondern nur für Wissenschaftler, Historiker und Bibliothekare zugänglich.

Derzeit umfasst das Internet-Archiv rund eine Milliarde Seiten mit einem Volumen von 13,8 Terabytes. Dazu kommen noch 0,05 TB ausgewählte FTP-Server sowie knapp 0,6 TB ausgewählte Usenet-Postings. Als Retrieval-Maschinen kommen zwei Linux-Rechner zum Einsatz, die Massenspeicher kommen von einer kleinen Company namens ASL. "Da zahlen wir nur 10 000 Dollar pro Terabyte - EMC verlangt für das gleiche Volumen 800 000 Dollar", meint Kahle.