VDE-Fachtagung

Breitbandausbau: Wunschdenken vs. Realität

Rolf Froböse schreibt als Experte vorrangig über IT-Themen mit großem Zukunftspotenzial wie z. B. Smart Cities, Smart Home, Telemedizin, Altersgerechte Assistenzsysteme (AAL), Internet der Dinge, Smart Grid, Neuronale Netzwerke u. a.. Als freier Wissenschaftsjournalist und Buchautor schreibt er seit rund 20 Jahren über Themen aus Forschung und Entwicklung.
Im Fokus einer aktuellen Fachtagung zu der die Informationstechnische Gesellschaft im VDE (ITG) zahlreiche Experten geladen hatte, standen die neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der Breitbandversorgung in Deutschland.

Das anspruchsvolle Ziel der Bundesregierung zum Ausbau des Breitbandnetzes soll durch den Einsatz aller derzeit und zukünftig verfügbarer Technologien erreicht werden. Anlässlich der VDE-Fachtagung zeigte sich Frank Selle als Sprecher des auf Telekommunikationsfragen spezialisierten Consulting-Unternehmens seim & partner hinsichtlich der Zielvorgaben skeptisch. "Insbesondere in ländlichen Räumen sind die Pläne nicht realisierbar", verdeutlichte Selle. Das Festhalten an der Kupferinfrastruktur verschärfe zusehends das Stadt-Land-Gefälle. "Die Telekommunikationsunternehmen bauen nur in wirtschaftlich attraktiven Gebieten aus, der ländliche Raum bleibt zurück", wetterte der Experte. Das Problem werde durch die aktuelle Förderlandschaft weiter verschärft. Die nach wie vor fehlenden Rechtsgrundlagen blockierten Anreize für die Wirtschaft, sich auch in vermeintlich unrentablen Gebieten zu engagieren.

Die Breitbandstrategie der Bundesregierung proklamiert eine flächendeckende Versorgung mit Bandbreiten von 50 MBit/s bis zum Jahr 2018.
Die Breitbandstrategie der Bundesregierung proklamiert eine flächendeckende Versorgung mit Bandbreiten von 50 MBit/s bis zum Jahr 2018.
Foto: Telekom

Breitband-Vorbild Skandinavien

Angaben von Florian Borst von der Stuttgarter econtech GmbH zufolge wird der Ausbau des Netzes im ländlichen Bereich durch hohe Verlegekosten gehemmt. "Zur Erreichung einer 100-prozentigen Anschlussrate der Haushalte in Deutschland mit mindestens 50 MBit/s wären Investitionen von rund 20 Milliarden Euro erforderlich", kalkulierte Borst. Allein die Erschließung der letzten fünf Prozent der Haushalte würde rund acht Milliarden Euro kosten. Der Blick nach Skandinavien zeige aber, dass ein effizienter und flächendeckender Breitbandausbau machbar ist. Es wäre daher sinnvoll, aus den positiven Erfahrungen der Nachbarn zu lernen und die dortigen Firmen zu motivieren, mit ihren Erfahrungen nach Deutschland zu kommen.

"Das politische Ziel einer flächendeckenden Breitbandversorgung mit mindestens 50 Mbit/s im Download bis zum Jahr 2018 lässt sich effektiv nur mit einem Technologiemix aus leitungsgebundenen Breitbandkabelnetzen und Mobilfunklösungen erreichen", argumentierte Thomas Eibeck von der Kabel Deutschland Vertrieb und Service GmbH in Unterföhring. Hierbei müsse der privatwirtschaftliche Breitbandausbau klar Vorrang haben vor staatlichen Eingriffen. Fördermaßnahmen sollten nur in "weißen Flecken" in Betracht gezogen werden, wo auf absehbare Zeit ein eigenwirtschaftlicher Ausbau nicht erfolgen könne. Die Förderung des Ausbaus passiver Glasfaser-Infrastrukturen in so genannten Betreibermodellen sei dabei der Ansatz, der zu Investitionen in echte Hochleistungsnetze führen könne und zugleich die größte Wettbewerbsneutralität und Anbieteroffenheit verspreche.

Infrastrukturvorplanung von Glasfasernetzen

In einem Gemeinschaftsprojekt der Fachhochschule Südwestfalen und der Bauhaus-Universität Weimar wurden Szenarien untersucht, um dem enormen Breitbandausbau-Bedarf in ländlichen Gegenden zu befriedigen. In seinem Vortrag skizzierte Jens Wiggenbrock vom Fachbereich Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften der Fachhochschule Südwestfalen in Meschede den aktuellen Stand eines Forschungsprojekts, das darauf abzielt die Erstellung von Infrastrukturvorplanungen zu beschleunigen und zu vereinfachen. Im Rahmen des Forschungsprojekts wurden Methoden entwickelt, die bereits vorhandenes Wissen über Aufbau und Zustand bestehender Infrastrukturen zur ressourcenoptimierten Vorplanung von Topologie und Kosten beim Glasfaser-Breitbandausbau nutzbar machen.

"Aus den vorgestellten Methoden können die optimalen Strecken und die Dimensionierung für eine vorausschauende Glasfaserleerrohrverlegung direkt abgeleitet werden", erläuterte Wiggenbrock. Die Forschungsarbeit leiste somit einen Beitrag zur Förderung des Breitbandausbaus insbesondere im ländlichen Raum und zeige langfristig finanzierbare Wege zu einem flächendeckenden Ausbau von Hochgeschwindigkeits-Glasfasernetzen weit jenseits von 50 MBit/s auf. (bw)