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Brain plagen Liquiditätsnöte

02.07.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Breisacher Softwareschmiede Brain International AG führt derzeit Gespräche mit potenziellen Investoren, um die Liquidität des Unternehmens sicherzustellen. Sollten die Verhandlungen nicht zu einem kurzfristigen Erfolg führen, droht Brain die Zahlungsunfähigkeit, teilte das Unternehmen am gestrigen Abend nach Börsenschluss mit. Der Vorstand will jedoch auf jeden Fall die Gespräche mit möglichen Geldgebern fortsetzen.

Das am Neuen Markt notierte Unternehmen leidet stark unter der Zurückhaltung bei IT-Investitionen. Vor knapp zwei Wochen hatte Brain seine Umsatzprognosen für das zweiten Quartal um mehr als sieben Millionen Euro nach unten korrigiert. Gleichzeitig kündigte das Unternehmen an, dass man aufgrund weiterer Einsparmaßnahmen als Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) nun ein Minus von rund sechs Millionen Euro erwarte (Computerwoche online berichtete). Bislang hatte das Softwarehaus einen Ebit-Gewinn von 1,8 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Die düsteren Erwartungen bestätigte Brain gestern in seiner Ad-hoc-Mitteilung. Dort ist von erheblichen Umsatzausfällen in Deutschland beim Dienstleistungs- und Lizenzgeschäft die Rede. Bislang lagen laut Brain zumindest die Einnahmen aus dem Softwareverkauf noch weitgehend im Plan.

Bereits am Montagnachmittag fiel der Kurs der Brain-Aktie drastisch, nachdem bekannt wurde, dass Brain im Juni kein Gehalt an seine rund 550 Mitarbeiter in Deutschland gezahlt hatte. Bei einem Wert von 65 Cent wurde das Papier schließlich vom Handel ausgesetzt. Am heutigen Dienstag setzt die Aktie ihre Talfahrt fort und notierte um 10:30 Uhr bei 45 Cent. Beim Börsengang im März 1999 startete das Papier mit 42 Euro am Neuen Markt. (mb)