Ökonomie der Dinge

Bosch setzt auf Digital Ledger Technologies

27.05.2019
Von 
Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Als großer globaler IoT Player will Bosch in der "Economy of Things" ganz vorne mitspielen. Eine Schlüsseltechnologie auf dem Weg dorthin sind für die Schwaben Distributed Ledger Technologies. Wir zeigen, wo der Konzern sie einsetzen will.
Mit EnBW arbeitet Bosch an einem Prototyp zur Verbesserung des Ladevorgangs mit Blockchain-Technologie.
Mit EnBW arbeitet Bosch an einem Prototyp zur Verbesserung des Ladevorgangs mit Blockchain-Technologie.
Foto: Bosch

Mit seiner digitalen Transformation hat sich Bosch nicht nur in einen IoT-Player verwandelt, sondern gehört als Verfechter eines Cross-Domain-Ecosystems auch zu den Befürwortern der Shared Economy. Doch vernetzte Dinge können in einer Economy of Things nur dann Geschäftsverbindungen eingehen, wenn sie selbst Verträge abschließen können und dürfen.

Deshalb setzt man bei Bosch auf sogenannte Distributed-Ledger-Technologien (DLT), zu denen auch Blockchain zählt. Sie können zur Schlüsseltechnologie für die Ökonomie der Zukunft werden. Strategisch interessant sind diese Technologien für Bosch deshalb, weil sie nach Ansicht des Unternehmens die Economy of Things ermöglichen werden. Im Bereich der Mobilität könnte dies bei ganz alltäglichen Abläufen helfen: etwa Mautgebühren, Parkplätze oder das Laden des Elektrofahrzeugs werden automatisiert abgerechnet.

Für Bosch zählen die Distributed-Ledger-Technologien, so war auf der Bosch Connected World (BCW) zu hören, zu den Schlüsseltechnologien für die Ökonomie der Zukunft.
Für Bosch zählen die Distributed-Ledger-Technologien, so war auf der Bosch Connected World (BCW) zu hören, zu den Schlüsseltechnologien für die Ökonomie der Zukunft.
Foto: Hill

So arbeitet Bosch mit dem Energieversorgungsunternehmen EnBW an einem Prototyp zur Verbesserung des Ladevorgangs von Elektroautos auf Basis der Blockchain-Technologie. Dabei soll der gesamte Ladeprozess - von der Auswahl der Ladestation, über die Reservierung bis zur Bezahlung - deutlich vereinfacht und passgenau auf den Kunden zugeschnitten werden. Dem Kunden könnten so über die von Bosch entwickelte Software im Auto in Kombination mit einem intelligenten Ladesäulen-Manager in Echtzeit unterschiedliche und transparente Preismodelle angeboten werden - je nach Verfügbarkeit von Ladesäulen und erzeugtem Strom aus erneuerbaren Quellen.

Auch die Reservierung sowie Bezahlung des Ladevorgangs läuft dabei vollautomatisch über die Blockchain. Des Weiteren können Präferenzen des Kunden berücksichtigt werden, etwa dass nur Ladesäulen im Umfeld von Spielplätzen und Cafés gesucht werden, wenn der Kunde Kinder hat und gerne Kaffee trinkt. Erste Tests dieses neuen Systems laufen laut Bosch derzeit.

Das Auto zahlt sein Ticket selbst

DLT erlaubt den Aufbau dezentraler Strukturen und damit die Teilhabe vieler Akteure an unterschiedlichen Märkten und Services.
DLT erlaubt den Aufbau dezentraler Strukturen und damit die Teilhabe vieler Akteure an unterschiedlichen Märkten und Services.
Foto: Hill

Einen zweiten Anwendungsfall treiben Bosch und Siemens gemeinsam voran. Dabei geht es um ein auf Blockchain basierendes intelligentes Park-Management-System, denn Parken soll dank DLT in Zukunft deutlich einfacher werden. Das Fahrzeug kommuniziert dann direkt mit umliegenden Parkmöglichkeiten und verhandelt die besten Konditionen. Sobald der Fahrer an der ausgewählten Parkschranke vorfährt, identifiziert sich das Fahrzeug selbst an der Schranke und diese öffnet sich, ohne dass der Fahrer ein Ticket ziehen muss.

Auch beim Ausfahren erhält der Fahrer sofort freie Fahrt, denn das Fahrzeug hat bereits mit der Schranke kommuniziert und die Parkgebühr mittels virtueller Geldbörse bezahlt. Der Nutzen: Autofahrer müssen künftig kein Kleingeld mehr zum Bezahlen bereithalten und können auch das Parkticket nicht mehr verlieren. Einen entsprechenden Prototyp haben die Unternehmen auf dem Forschungscampus von Bosch in Renningen und auf dem Siemens Campus in München bereits erfolgreich umgesetzt.

Vertrauen ins Internet dank dezentraler Strukturen

Kern von DLT sind dezentrale Strukturen im Internet: Daten liegen nicht in Rechenzentren weniger Plattformanbieter, sondern verteilt auf eine Vielzahl verschiedener Server. "Wir brauchen sichere, offene Plattformen und ein Internet, in dem der Nutzer souverän entscheiden kann, um Vertrauen in digitale Ökosysteme zu stärken", betont Bosch-Chef Volkmar Denner.

Den konkrete Nutzen für die Menschen beschreibt man bei Bosch so: Sie sind unabhängig von wenigen großen Internet-Plattformen, müssen also beispielsweise nicht unerwartet neue Nutzungsbedingungen akzeptieren, weil der Plattformanbieter diese geändert hat und sie nicht auf eine andere Plattform ausweichen können. "Mit diesen dezentralen Strukturen schaffen wir Vertrauen in Internet-Plattformen. Denn: die Teilhabe vieler Akteure wird möglich", fügtBosch-Geschäftsführer und CDO/CTO Michael Bolle an. Darüber hinaus seien dezentrale Plattformen, die von einem Ökosystem einer Vielzahl ebenbürtiger Partner betrieben werden, sicherer gegenüber Angriffen von außen.

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