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Borlands neue Java-Software zielt auf den EJB-Markt

16.11.2001
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Mit neuen Softwareangeboten hofft Borland eine Lücke zu füllen, die nach Ansicht des Herstellers die bisherigen Appserver-Marktführer Bea und IBM offen gelassen haben - nämlich Hardcore-Entwicklung von EJB (Enterprise Javabeans) und Corba (Common Object Request Broker Architecture). "Wir zielen nicht auf den Application-Server-Markt als Ganzes wie IBM und Bea", erläutert Frank Slootman, Vice President of Products. "Wir sehen den Markt als Spektrum - es gibt Web-Application-Server, und es gibt reine Application Server für die Entwicklung und Bereitstellung von Anwendungen."

Borland sieht sich in der letzteren Kategorie und will mit seiner neuen Plattform vor allem die Entwicklung komplexerer EJBs erleichtern. Zwar ist dieser Markt momentan noch recht überschaubar, die Meta Group geht aber beispielsweise davon aus, dass EJBs bis 2003 bereits 40 Prozent des gesamten Anwendungsmarkts ausmachen werden (aktuell: zehn Prozent).

Borlands Marktanteil ist im Vergleich zu den großen Anbietern allerdings verschwindend gering. Zudem leidet das Unternehmen als unabhängiger Anbieter unter der Tendenz, dass die großen Hersteller ihre Application Server offiziell oder versteckt an ihre Kunden verschenken. Slootman sieht darin allerdings kein wirkliches Präsent: "Sie können sicher sein, dass diese Anwender an anderer Stelle dafür zahlen müssen." Borland hat weder eigene Hardware noch ein Betriebssystem, mit dem es seine Software kombinieren könnte. Dafür aber eine loyale Entwicklergemeinde für sein Java-basiertes IDE "Jbuilder", das wiederum eng mit dem hauseigenen Application Server verzahnt ist. Die Popularität von Jbuilder könnte dem Hersteller nun auch zu mehr Popularität im Appserver-Markt verhelfen.

Die kommende Softwareplattform von Borland umfasst das "Enterprise Studio", "Jbuilder 6" in drei Varianten sowie den ebenfalls in drei Versionen erhältlichen "Enterprise Server". Letzterer kombiniert die zuvor separat vertriebenen J2EE-Application-Server und die Corba-Plattform "Visibroker" und ist als "Web Edition", "Visibroker Edition" sowie "Appserver Edition" zu haben. Die Webserver-Edition zielt mit einem Preis von knapp 400 Dollar pro Server (egal wie viele CPUs) auf den Lowend-Markt mit JSP (Java Server Pages) und Webservices, die den Großteil heutiger Appserver-Einsätze ausmachen.

Die Visibroker- und Appserver-Editionen sind hingegen für große, EJB-zentrische Applikationen konzipiert. Sie sind - laut Slootman als erste Produkte am Markt - voll für J2EE 1.3 zertifiziert und gestatten es Unternehmen, ihre Corba-Server automatisch Web-fähig zu machen. Eine weitere Novität: Die Appserver Edition enthält eine neue Runtime-Archtitektur, die eine Partitionierung innerhalb des Application Servers gestattet. Laut Slootman lassen sich damit Anwendungen voneinander abschotten, so dass sie sich nicht gegenseitig ausbremsen können. Nützlich sei die Partitionierung auch für Load-Balancing und Replizierung.

Der neue Jbuilder enthält einen visuellen EJB-Designer, mit dem Entwickler Java-Komponenten durch einfaches Zeigen und Klicken erstellen können. Java-Entwickler sollen es damit so einfach haben wie ihre Microsoft-Kollegen. Auch Jbuilder 6 unterstützt J2EE 1.3; Webservices sollen mit einem kommenden Release des "Borland Web Services Toolkit for Java" hinzukommen.

Die dritte Komponente "Borland Enterprise Studio for Java" kombiniert laut "Computerwire" Produkte von Borland mit denen von Drittanbietern. Enthalten sind neben Jbuilder eine Entwicklerlizenz für den Enterprise Server Appserver Edition, Rational "Rose" sowie Best-Practice-Methodologie mit Rationals "Unified Process". Optional ist das Paket auch mit Macromedias Web-Autoren-Tool "Dreamweaver Ultradev" zu haben. (tc)