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Boni sollen wichtige HP-Mitarbeiter zum Bleiben animieren

15.01.2002
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Während Hewlett-Packard (HP) im Zuge der geplanten Übernahme von Compaq zwar rund 15.000 Mitarbeiter entlassen will, ist der IT-Konzern auf der anderen Seite bemüht darum, wichtige Angestellte im fusionierten Unternehmen zu halten. Aus diesem Grund stellen die Kalifornier rund 6000 Beschäftigten Bonuszahlungen im Wert von insgesamt 575 Millionen Dollar in Aussicht - das wären zirka 100.000 Dollar pro Kopf. Der erste Teil der Boni soll nach dem Abschluss des Mergers mit Compaq, der zweite Teil ein Jahr danach gezahlt werden. Das geht aus der jüngsten Veröffentlichung von HP bei der US-Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) hervor.

Auch Compaq hat inzwischen ein Treueprogramm angekündigt. Der texanische PC-Hersteller plant, einer nicht näher genannten Zahl von Schlüsselangestellten Boni im Gesamtwert von 242 Millionen Dollar über einen Zeitraum von zwei Jahren zahlen, wenn sie dem fusionierten Unternehmen treu bleiben. Diese Maßnahme kam offenbar zu spät für Jeffrey Lynn, der Compaq Ende 2001 als Chef der Professional Services Division verließ. Wie Dell Computer am gestrigen Montag bestätigte, heuerte der 52-jährige Manager nun Leiter seiner Technologieberatungssparte an.

In seiner jüngsten SEC-Eingabe versucht HP zudem erneut, die finanziellen Vorteile der umstrittenen Fusion mit Compaq in den Vordergrund zu stellen. So erwartet der IT-Konzern im Jahr 2004 Einsparungen von 2,5 Milliarden Dollar. Wie zumindest rund die Hälfte dieses Potenzials erreicht werden soll, erläutert HP an zwei Beispielen: Indem die Kosten für doppelte Verwaltung und Technologieausrüstung wegfallen, ließen sich 625 Millionen Dollar abbauen. Weitere 600 Millionen Dollar könnten durch geringere Kosten für Komponenten eingespart werden, da die fusionierte Firma in größeren Mengen einkaufen würde.

Allerdings gibt HP zu, dass die Einnahmen des kombinierten Unternehmens um bis zu fünf Prozent oder 4,1 Milliarden Dollar fallen könnten. Dies sei auf die Zusammenlegung von verschiedenen Einheiten sowie die Schließung einiger Produktlinien zurückzuführen. Ohne Berücksichtigung dieses fünfprozentigen Umsatzrückgangs sollen die Kosteneinsparungen jedoch einen Wert von fünf bis neun Dollar pro Aktie generieren.

Das von HP eingereichte Dokument soll in seiner endgültigen Fassung, die noch aussteht, auch den Aktionären des Unternehmens zugesendet werden. Mit diesem Schreiben will HP seine Anleger davon überzeugen, bei der bevorstehenden Aktionärsversammlung für den geplanten Merger mit Compaq zu stimmen. Auch die von Walter Hewlett angeführte Opposition des gegen den Deal, der zudem die Familienstiftungen der beiden HP-Gründer William Hewlett und David Packard angehören, bemüht sich um die Stimmen der Anleger. Diese Fraktion setzt sich jedoch für eine Blockade der Fusion ein. (ka)