Blumenthal und die Überlebensfrage

23.05.1986

Die Übernahme scheint von Burroughs-Chef Blumenthal diesmal gut vorbereitet, doch das Sperry-Management legt sich erneut quer: Sollte die Hochzeit der beiden BUNCH-Elefanten wieder nicht zustande kommen? Vor einem Jahr waren die Fusionsverhandlungen bekanntlich ohne Ergebnis abgebrochen worden.

Über das Techtelmechtel ist viel geschrieben worden. Die Erklärung greift indes zu kurz, die Ehe müsse scheitern, weil die Produkte beider Partner nicht verträglich seien. Es ist naiv anzunehmen, Michael Blumenthal würde von Kompatibilitätsüberlegungen gelenkt. Und auch eine Sperry-Absage wird sich mit diesem Argument nicht untermauern lassen. Nein, auf Mainframe-Ebene kann und wird es kein Miteinander geben.

Doch abgesehen davon: Big Blue hat Burroughs und Sperry vom Markt gefegt. Die Zahlen sprechen für sich: Während die IBM in den vergangenen fünf Jahren allein ihren US-Absatz bei Großrechnern von 1,7 auf 6,8 Milliarden Dollar steigern konnte, blieben die Konkurrenten bei jeweils rund einer halben Milliarde Dollar stecken.

Man erkennt unschwer, daß sich die Alt-Rivalen gegenüber IBM in der Position befinden, im Mainframe-Business nicht aus eigener Kraft durchhalten zu können. Der Zwang der Entwicklung bringt Burroughs und Sperry über kurz oder lang dazu, sich nach potenten Partnern umzusehen und sich mit ihnen zusammenzuschließen.

Die Nicht-IBM-Anwender brauchen Partner, die längerfristig die Konkurrenzsituation mit IBM aushalten können. Sie müßten ein vitales Interesse daran haben, daß sich Gegenkräfte bilden. Die von Blumenthal angestrebte Fusion könnte ein ermutigendes Zeichen setzen.