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BITKOM sieht schwarz

23.09.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Unmittelbar vor der gestrigen Bundestagswahl hat der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM) eine Menetekel-Mitteilung veröffentlicht. Der deutsche ITK-Markt werde in diesem Jahr erstmals überhaupt um 1,3 Prozent auf 1,36 Milliarden Euro schrumpfen. Fast alle Segmente mit Ausnahme der Telekommunikations- und Internet-Dienste schrieben rote Zahlen. Selbst gewohnte Wachstumsträger wie Software und IT-Services hätten ihre Zugkraft verloren, klagt der Verband. Auch anderswo in Europa sei die Situation schwierig. "Frankreich, Italien und die skandinavischen Länder erzielen im Branchendurchschnitt aber immerhin noch Zuwächse von zwei Prozent", klagt Verbandschef Bernhard Rohleder. "Deutschland ist international das Schlusslicht."

Vieles hängt aus Sicht der Verbandes jetzt davon ab, die ordnungspolitischen Rahmenbedingungen so zu optimieren, dass die Informations- und Kommunikationswirtschaft auch in Deutschland ihre Potenziale entwickeln könne. Insbesondere die Entwicklung der Rahmenbedinungen des UMTS-Markts hält der Verband für verfehlt. "Die Lizenzversteigerung war ein Pyrrhussieg für die Regierung", glaubt Rohleder. Der Branche seien 50 Milliarden Euro entzogen worden, nun kämpften die verbliebenen Netzbetreiber mit dem Schuldenabbau statt zu investieren.

Am stärksten von der Branchenkrise betroffen sieht der BITKOM das Segment Hardware, wo die Anbieter heuer einen Rückgang um 10,3 Prozent auf 38,1 Milliarden Euro hinnehmen müssten. Für PCs und Handys liege das Minus bei gut elf Prozent, für Drucker bei 14 Prozent, für Vermittlungs- und Übertragungstechnik 25 bis 30 und für Mobilfunk-Infrastruktur sogar bei minus 40 Prozent.

Softwarehäusern und IT-Dienstleistern prophezeit der BITKOM für das Jahr 2002 Umsatzrückgänge um 0,8 und 0,3 Prozent auf 15,1 respektive 29,2 Milliarden Euro. Eine steigende Nachfrage erwartet der Verband lediglich bei Telekommunikationsdiensten, wo das Marktvolumen um 5,5 Prozent auf 53,6 Milliarden Euro wachsen soll. Das Festnetzgeschäft stagniere hier bei 22,7 Milliarden Euro; Mobilfunk- und Internet-Dienste sollen um 8,5 Prozent und 20 Prozent auf 19,9 Milliarden Euro beziehungsweise 6,4 Milliarden Euro zulegen.

Ergebnis der Mindereinnahmen seien häufig drastische Sparmaßnahmen der Unternehmen, so der BITKOM weiter. Dies wirke sich auch auf die Arbeitsplätze aus. Erstmals seit Anfang der 90er Jahre sei die Zahl der in der ITK-Branche Beschäftigten rückläufig, für dieses Jahr geht der Verband von minus drei Prozent aus. Die Zahl der in der Branche tätigen Arbeitnehmer soll demnach im Jahresverlauf von 819.000 auf 791.000 zurückgehen. (tc)