Amerikaner streben angeblich Chip-Kartell an:

Bill Gates kritisiert US-Regierung

12.08.1988

WASHINGTON (IDG) - Für die gegenwärtig sehr hohen Preise für Speicherbausteine hat Bill Gates, Chef des Softwarehauses Microsoft, in erster Linie die US-Regierung verantwortlich gemacht. Er beschuldigte die Reagan-Administration, ein amerikanisches Chip-Kartell anzustreben.

Diese starken Worte erhob der Manager auf einer Tagung der Government Sales Inc. Das Unternehmen verkauft Microsoft-Produkte an amerikanische Regierungsdienststellen.

Gates sagte, die Schuld an den zur Zeit explodierenden Preisen für Speicherchips trage die amerikanische Politik, die es japanischen Unternehmen verbiete, den Wettbewerb gegen die "geschützten" US-Produzenten über den Preis zu führen. Auf diese Weise könnten die amerikanischen Hersteller höhere Preise für ihre Chips verlangen.

Ängste der Industrie vor einem "Chip-Kartell" seien "etwas übertrieben, aber es muß einem klar sein, daß die Vereinigten Staaten dieses anstreben", meinte der Microsoft-Boß.

"Die US-Regierung hat die Leute dazu angehalten, Chips nicht zu niedrigen Preisen zu verkaufen. Auf diese Weise hat sie die Marktmechanismen untergraben", argumentierte der Microsoft-Chairman. "Die Regierung hat den Japanern klargemacht, daß sie nunmehr über einen guten Marktanteil verfügen und daß sie jetzt hohe Preise für ihre Chips verlangen müßten. Es gibt also widersprüchliche Signale an die Hersteller, ob wir die Speicherchips jetzt billig haben wollen oder nicht. Mein Standpunkt ist einfach: Wir wollen billige Speicherbausteine. Und die werden wir kriegen", betonte Gates.