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Bilanzbetrug bei AT&T

22.10.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der US-amerikanische TK-Konzern AT&T hat bei der Bekanntgabe der Ergebnisse für das dritte Quartal 2003 Falschbuchungen in früheren Bilanzen eingeräumt: Um Fehler in ihrer Kalkulation zu kaschieren, hätten zwei leitende Mitarbeiter in den vergangenen zwei Jahren die Kosten für den Zugang von anderen TK-Anbietern um insgesamt 125 Millionen Dollar zu niedrig verbucht, sagte Finanzchef Tom Horton. Bei korrekter Verbuchung der Kosten wäre der Nettogewinn im Jahr 2001 um 32 Millionen Dollar oder vier Cent je Aktie niedriger ausgefallen, das Defizit im Jahr 2002 um 45 Millionen Dollar oder sechs Cent pro Anteilschein gestiegen. Die beiden Angestellten seien bereits gefeuert worden, ebenso zwei Vorgesetzte, die den Betrug nicht bemerkt hätten, so Horton. Außerdem habe AT&T seine internen Kontrollen nun verstärkt.

Parallelen zu dem Bilanzskandal des Rivalen Worldcom wies CEO David Dorman zurück: Es gebe keine Hinweise dafür, dass die Mitarbeiter sich oder das Unternehmen bereichern wollten oder dass Führungskräfte von AT&T an dem Betrug beteiligt waren. Außerdem sei der Fehler im Hinblick auf die rund elf Milliarden Dollar betragenden Zugangsgebühren pro Jahr vergleichsweise gering.

Um die Falschbuchung zu korrigieren, nahm AT&T im dritten Quartal eine Nettoabschreibung in Höhe von 77 Millionen Dollar vor. Dennoch gelang es dem größten US-Anbieter von Ferngesprächen, seinen Nettogewinn gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 207 Millionen auf 418 Millionen Dollar zu steigern. Der Profit pro Aktie kletterte von 27 auf 53 Cent und entsprach damit laut First Call Thomson genau der mittleren Erwartung der befragten Analysten. Wegen der schwachen Nachfrage und des hohen Preisdrucks ging dagegen der Umsatz im Jahresvergleich um 8,1 Prozent auf 8,6 Milliarden Dollar zurück. (mb)