Big Blues Entwicklungsumgebung im fuenften Jahr IBM schliesst Ueberarbeitung des AD/Cycle-Konzepts ab

28.05.1993

MUENCHEN (CW) - Knapp fuenf Jahre nach der urspruenglichen Ankuendigung des Software-Entwicklungskonzepts AD/Cycle verspricht die IBM nun die Fertigstellung der ueberarbeiteten Umgebung fuer Ende dieses Jahres. Produkte sollen ab Mitte 1994 auf den Markt kommen.

Vor dem Rueckzieher der IBM im Juli 1992 war AD/Cycle ein reines Konzept fuer die einheitliche Software-Entwicklung auf ausschliesslich proprietaeren IBM-Systemen. Das hat sich inzwischen grundlegend geaendert. Zur Modernisierung von AD/Cycle gehoerte nicht nur die Einbeziehung von Unix-Systemen und Objekttechniken, sondern vor allem die Preisgabe der zentralistischen Mainframe- Vorstellungen. So soll die als Repository Manager bezeichnete Metadatenbank nicht mehr zentral arbeiten, sondern auf ein lokales Netz verteilt werden.

Nach Informationen des britischen Brancheninformationsdienstes "Computergram" legt die IBM Ende dieses Jahres ein vollstaendiges AD/Cycle-Rahmenwerk vor, das bis Mitte 1994 auch durch Produkte gefuellt sein soll. Grundlage von AD/Cycle ist, so die Briten, ein einheitliches Informationsmodell, das beschreibt, wie innerhalb des Konzepts Daten dargestellt und von den Werkzeugen verwendet werden.

Festgelegt wurden auch die Eigenschaften von Workstation-Diensten fuer die Verwendung von Tools und Programmroutinen. Hinzu kommen Definitionen fuer Softwarebibliotheken, Konfigurations-Management, Anwendungsgeneratoren und das LAN-Repository. Letzteres soll nicht nur Daten, sondern auch Objekte und die Beziehungen zwischen Objekten verwalten koennen.

Auf AIX-Systemen soll es eine einheitliche grafische Benutzeroberflaeche geben, die die Entwickler von technischen Details der dahinter verborgenen Toolsets abschirmt. Weitere Features sollen das netzweite Messaging und die Verteilung von Daten und Aufgaben auf die unterschiedlichen Werkzeuge ermoeglichen.

Zu den zentralen Werkzeugen der AD/Cycle-Umgebung werden, so "Computergram", Teile des "Softbench"-Produkts von Hewlett-Packard sein, das auch von Unternehmen wie Informix, Siemens-Nixdorf und Control Data eingesetzt wird und als De-facto-Standard gilt. Die Funktion des Software-Busses siedlen die Briten im Bereich Datenkontrolle an.

Weitere Standards, die IBM im Rahmen ihres Entwicklungskonzepts einsetzt, sind das Distributed Computing Environment (DCE) von der OSF und die von der Object Management Group (OMG) spezifizierte Common Object Request Broker Architectur (Corba).

Das Object Management System (OMS) des Muenchner Software- Unternehmens Softlabs scheint bei der Neuauflage des AD/Cycle- Reposotories allerdings eine geringere Rolle zu spielen als urspruenglich angenommen. Das BMW-Tochterunternehmen wurde zwar laut "Computergram" als achtes Mitglied in den exklusiven Kreis der IBM-Entwicklungspartner aufgenommen, nicht aber die objektorientierte OMS-Technik der Muenchner. Nach IBM-Aussagen sollen die objektorientierten Erweiterungen des urspruenglich auf DB2 basierenden Repositories von Object Design kommen.

Die anderen AD/Cycle-Partner sind Knowledgeware, Micro Focus, Sapiens Software, Digitalk, Easel, Viasoft und Synon.