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Betrugsverdacht gegen Comroad erhärtet sich

18.03.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Betrugsverdacht gegen den Münchner Telematik-Spezialisten Comroad AG erhärtet sich. Nach Berichten des Nachrichtenmagazins "Focus" vermutet die Münchner Staatsanwaltschaft nun, dass fast der gesamte Umsatz des Unternehmens nur auf dem Papier existiert. So hätten die Fahnder Grund zu der Annahme, dass es sich bei dem in Hongkong ansässigen Geschäftspartner VT Electronics Ltd. um eine Scheinfirma handelt. Nach Informationen des Magazins ist die Firma außerdem nicht nur ein Weiterverkäufer - wie von Comroad lange behauptet wurde -, sondern vielmehr der Hauptlieferant des im Nemax-50 gelisteten Unternehmens. Der Anfang des Monats gefeuerte Vorstandsvorsitzende und Comroad-Hauptaktionär Bodo Schnabel (Computerwoche online berichtete) erklärte am Sonntag, das Abtauchen

von VT Electronics sei seit längerem bekannt und habe erst die Sonderuntersuchung durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG angestoßen. Nach Darstellung von Schnabel ist die Hongkonger Firma seit Februar diesen Jahres nicht mehr aufzufinden. Nach dem offensichtlichen Fehlen eines Hauptlieferanten wollen die Fahnder nun überprüfen, ob und mit welchen Waren Comroad überhaupt gehandelt hat. Aufschluss darüber sollen Recherchen bei dem südafrikanischen Unternehmen Intelligent Transportation Systems S.A. geben, dem angeblichen Hauptabnehmer der Comroad-Produkte.

Die von Comroad beauftragte Buchprüfungsgesellschaft KPMG hatte Mitte Februar dieses Jahres wegen des Verdachts auf Scheingeschäfte in Asien und mögliche Kursmanipulationen ihr Mandat niedergelegt. Bereits seit vergangenem Jahr kursieren Gerüchte, dass die vorgelegten Umsatzzuwächse von teilweise über 130 Prozent nur auf dem Papier erzielt wurden. Daraufhin war der Wert der noch vor einem Jahr mit rund 50 Euro notierten Aktie stark eingebrochen, zur Zeit wird das Papier bei etwa 1,75 Euro gehandelt. Neben dem Telematik-Unternehmen, das eine Sonderprüfung der Bilanzen angeordnet hat, interessiert sich auch das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BaWe) für Comroad. Die Behörde ermittelt, ob die Münchner zu spät eine Ad-hoc-Mitteilung über den Rückzug von KPMG herausgegeben haben. Dabei besteht unter anderem der Verdacht auf Insider-Handel. (mb)