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Betreibt IBM kreative Buchführung?

18.02.2002
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nach Spekulationen über Bilanzmanipulationen fiel der Kurs der IBM -Aktie am Freitag um 4,63 Prozent beziehungsweise fünf Dollar auf 102,89 Dollar. Hintergrund ist der Verdacht, dass Big Blue 340 Millionen Dollar aus dem Verkauf seines Werks für Optical-Transceiver-Komponenten an JDS Uniphase Ende Dezember (Computerwoche online berichtete) nicht korrekt ausgewiesen hat. Analysten schätzen, dass das Unternehmen nur so seine Erwartungen für das vierte Quartal 2001 übertreffen konnte.

Nach den Vorschriften der US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) müssen Erlöse aus dem Verkauf von Geschäftsbereichen als einmalige Einkünfte ausgewiesen werden. IBM dagegen hatte den Transaktionsgewinn genutzt, um seine Betriebkosten zu senken. Ein Sprecher des Unternehmens rechtfertigte diesen Vorgang mit der Begründung, bei der Transaktion habe es sich zum Großteil um den Verkauf von geistigen Eigentums gehandelt. Daher stelle der Erlös in Höhe von 340 Millionen Dollar in bar und Aktien einen Teil des normalen Geschäftsbetriebs dar und müsse nicht als einmaliger Sondereffekt ausgewiesen werden. In ähnlicher Weise sei Big Blue bereits in der Vergangenheit vorgegangen. Außerdem habe man in zwei Pressemitteilungen auf den Verkauf der Sparte hingewiesen.

Bob Djurdjevic von Annex Research erklärte, er habe keine Bedenken über das Vorgehen von Big Blue bei der Verbuchung der Verkaufserlöse. Er fügte jedoch hinzu, es gäbe bei IBM andere, möglicherweise dubiose Bilanzierungspraktiken, die untersucht werden sollten. (mb)