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Bestechungsverdacht: Lucent feuert vier Topmanager in China

07.04.2004

Der TK-Ausrüster Lucent Technologies hat vier leitende Mitarbeiter seiner chinesischen Niederlassung entlassen. Offenbar werden die Top-Manager verdächtigt, den Abschluss von Geschäften mit der Zahlung von Schmiergeld beschleunigt zu haben.

In der offiziellen Mitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC werden die Entlassungen mit "Hinweisen auf Unzulänglichkeiten bei der internen Kontrolle im Zusammenhang mit dem Foreign Corrupt Practices Act" begründet. Dieses Gesetz verbietet Mitarbeitern von US-Firmen, im Ausland Bestechungsgelder an Offizielle zu zahlen, um Aufträge zu generieren – wenngleich dies in vielen Regionen wie dem Reich der Mitte durchaus üblich ist. Außerdem wird damit eine genaue Buchführung über sämtliche Transaktionen zwischen Unternehmen vorgeschrieben. Betroffen sind der President, der Chief Operating Officer, ein Marketing-Verantwortlicher und ein Finanz-Manager der Lucent-Tochter.

Die "Unzulänglichkeiten im Auslandsgeschäft" wurden den Angaben zufolge bei einer internen Untersuchung aufgedeckt, die Lucent nach Bestechungsvorwürfen gegen die Niederlassung in Saudi-Arabien im Sommer vergangenen Jahres gestartet hatte. Bei den anderen 22 Landesgesellschaften, die überprüft wurden, werden die Auflagen dagegen vollständig erfüllt, so Lucent. In China habe man zusätzlich zur Entlassung der Verantwortlichen nun die Kontrollmechanismen verbessert.

Nach Ansicht des Unternehmens hat der Vorfall keine Auswirkungen auf die laufenden Ergebnisse. Allerdings sei nicht klar, inwiefern das China-Geschäft künftig darunter leiden werde. Mit einem Umsatzanteil von rund zehn Prozent ist das Reich der Mitte nach den USA der zweitwichtigste Markt für den TK-Ausrüster, erst im Januar sicherte sich Lucent Ausrüsterverträge über 350 Millionen Dollar, etwa für VoIP-Lösungen (Voice over IP) beim Festnetzbetreiber China Telecom (Computerwoche.de berichtete). Lucent beschäftigt in China rund 3.000 Mitarbeiter. (mb)