IT-Arbeitsmarkt Hamburg

Beste Job-Aussichten für IT-Fachkräfte

04.03.2019
Von 
Holger Eriksdotter ist freier Journalist in Hamburg.

Kurze Entspannung im Fachkräftemangel

Also kein Mangel an potenziellen Arbeitgebern, zumal die Digitalisierung immer mehr Lebensbereiche erfasst. Aber auch der Bedarf an IT-Spezialisten nimmt kontinuierlich zu: Nach dem Fachkräftemonitor der Handelskammer Hamburg wies der Bereich der IT-Arbeitskräfte im Jahre 2017 eine Lücke von rund 2200 Personen auf - das sind etwa 2,7 Prozent des gesamten IT-Arbeitsmarktes in Hamburg. Für die nahe Zukunft haben die Statistiker für Arbeitgeber gute Nachrichten: "Ab dem Jahr 2021 könnte es mehr IT-Arbeitskräfte als freie Stellen geben", schreiben sie in ihrer Analyse "Auswirkungen der Digitalisierung auf den Hamburger Arbeitsmarkt". Weil aber das Angebotspotenzial durch den demografischen Wandel ab dem Jahr 2020 kontinuierlich abnehmen werde, sei ab dem Jahr 2026 wieder mit einem Mangel an IT-Fachkräften zu rechnen.

Digitalisierung spitzt die Lage am Arbeitsmarkt zu

In ihrer Analyse haben die Arbeitsmarktexperten der Handelskammer die drei Szenarien "langsame Digitalisierung", "mittelschnelle Digitalisierung" und "schnelle Digitalisierung" zugrunde gelegt und daraus Prognosen abgeleitet. Im Szenario "langsam" läge der Engpass im Jahre 2030 bei 8300 fehlenden IT-Fachkräften (relativer Anteil: 10,8 Prozent), beim Szenario "schnell" sogar bei 9200 unbesetzten Stellen (relativer Anteil: 11,9 Prozent) - beste Aussichten also für alle, die noch nicht wissen, welches Studium sie anstreben sollen.

Dass der Markt für IT-Fachkräfte in Hamburg aus Unternehmenssicht zurzeit eng ist, bestätigt auch der Sprecher der dortigen Arbeitsagentur, Knut Böhrnsen. "Bei den IT-Fachkräften sind der Agentur für Arbeit in Hamburg im Jahr 2018 insgesamt 1660 sozialversicherungspflichtige Stellen gemeldet worden." Das waren 2,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Jahr 2018 verzeichnete Böhrnsen einen monatlichen Bestand von 590 offenen Stellen - ein Plus von 19,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. "Die Personalnachfrage steigt kontinuierlich an, dies nehmen wir auch in anderen Branchen wahr, aber der IT-Bereich wächst überproportional."

Dabei sei das Bewerberpotenzial mit etwa 260 gemeldeten Arbeitslosen im Monatsdurchschnitt zwar gleich hoch wie im Vorjahr, aber guten Bewerbern gelinge meist der nahtlose Sprung in eine neue Anstellung, wenn etwa ein Job an ein Projekt gekoppelt war und dieses abgeschlossen sei. "Ein Arbeitsloser mit handfester IT-Qualifikation, der nicht sofort in eine neue Festanstellung vermittelt werden kann, ist eine seltene Spezies", kommentiert Böhrnsen, "dann liegen fast immer andere Hinderungsgründe wie familiäre Bindungen, eingeschränkte Arbeitszeiten oder Mobilität oder gesundheitliche Probleme vor."

Dabei räumt der Arbeitsmarktexperte ein, dass gerade im Bereich der hochqualifizierten IT-Fachkräfte der Großteil der Stellensuche und -vermittlung an der Agentur für Arbeit vorbei läuft: "Qualifizierte Bewerber melden sich meist oft gar nicht erst bei uns, sondern finden aus eigener Initiative oder über spezialisierte Personalberatungen einen neuen Arbeitgeber."

Freelancer haben die freie Projektwahl

Diese Einschätzung teilt man auch beim Personalvermittler Gulp: "Das Zeitfenster, in dem hochqualifizierte IT-Spezialisten für eine Vermittlung in Frage kommen, beträgt oft nur wenige Tage." Nach Abschluss eines Projekts könnten Freelancer in aller Regel unter einer Vielzahl von Angeboten auswählen. Aber auch für sie seien technologisch anspruchsvolle Projekte, flexible Arbeitsbedingungen und ein attraktiver Arbeitsort oft wichtiger, als in den Stundensatzverhandlungen den letzten Euro herauszuhandeln.

Trotz des offensichtlichen Mangels an IT-Experten sind die Hamburger Unternehmen bei der Bewerbersuche nur bedingt zu Zugeständnissen bereit. "Die Qualifikation muss stimmen. Arbeitgeber nehmen eher eine längere Suche in Kauf, als einen Bewerber einzustellen, der nicht auf die Position passt", heißt es unisono. Der Markt sei zwar eng, aber keineswegs dramatisch.

Ähnlich äußert sich auch Susanne Heinrichs von Otto: "Die Qualifikation muss stimmen und der Bewerber muss zu uns passen, da machen wir keine Abstriche. Die wenigsten unserer neuen Mitarbeiter kommen ursprünglich aus Hamburg. Aber viele von ihnen kommen gern hierher, weil sie das kulturelle Angebot und das internationale Flair unserer Stadt schätzen."Dass die Personalexpertin trotz des engen Arbeitsmarkts mit ihrer Einstellungspraxis richtig liegt, zeigt sich für sie auch darin, dass fast alle neuen Mitarbeiter bei Otto bleiben: "Wir übernehmen nach der Probezeit mehr als 90 Prozent der neu eingestellten Mitarbeiter in ein festes Arbeitsverhältnis."