Das Internet der Dinge spricht

Case Study

Beste Hygiene kommt jetzt aus der Cloud

08.09.2017
Die Anforderungen des Kunden waren brisant: Das Hygienemanagement mehrerer Produktionswerke eines Lebensmittelmultis sollte zentral gesteuert, die Kosten gesenkt und die Qualität gesteigert werden. Mission impossible? Calvatis löste diese schwierige Aufgabe mit Hilfe der Siemens MindSphere in kürzester Zeit.

Für ein Gros der Manager ist das Internet der Dinge ein hartnäckiger Begleiter, der sich jeden Tag von neuem machtvoll den Weg in die Gedanken bahnt. Richtig greifen können dieses "Ding" bislang jedoch nur die wenigsten. Was bringt IoT, wo und wie lässt es sich gewinnbringend einsetzen, welche neuen Geschäftsmodelle und Services könnten daraus erwachsen?

Eine Antwort gibt eine Case-Study, die beschreibt, was das Cloud-basierte, offene IoT-Betriebssystem Siemens MindSphere für das in Ladenburg bei Mannheim ansässige Unternehmen Calvatis leistet. Mit eigenen Produktions- und Vertriebsniederlassungen weltweit sowie einem Netzwerk aus Handelspartnern auf fünf Kontinenten ist Calvatis nach eigenen Angaben einer der größten unabhängigen Anbieter für umfassende Hygiene-Management-Systeme. Das Unternehmen entwickelt und vertreibt Reinigungs- und Desinfektionsmittel - unter den Markennamen calgonit industrial - sowie Anlagenkomponenten für Hygienetechnik.

Vor 20 Monaten wurde Calvatis von einem Kunden aus der Lebensmittelbranche, einem Big Player zudem, vor eine große Aufgabe gestellt: Das Ladenburger Chemieunternehmen sollten nicht nur Reinigungsanlagen und -Produkte für die Produktionswerke des Kunden liefern, sondern auch eine zentrale Überwachungs- und Steuereinheit schaffen - und diesen Service dann gleich noch selbst als Dienstleistung übernehmen.

Calvatis wandte sich sofort an Siemens, nach kurzer Beratung wurden die Eckpunkte festgelegt: Die Lösung würde so aussehen, dass die Reinigungsmaschinen im Produktionswerk des Kunden über MindConnect Nano mit Siemens MindSphere und der Calvatis-Applikation verbunden sein und sowohl das Performance-Management als auch Predictive Maintenance leisten würden. Das alles musste unter höchstem Zeitdruck geschehen, denn der Calvatis-Kunde verlangte eine besonders rasche Umsetzung. Aus nachvollziehbaren Gründen: Vor der Implementierung eines Cloud-basierten Überwachungs- und Steuerungsprozesses via MindSphere und Calvatis-Applikation hatte dieser Reinigungs- und Desinfektionsprozess einem festgelegten Zeitplan zu folgen. Aus Kosten-, Effizienz-, aber vor allem auch aus Sicht des Qualitätsmanagements (QM) nicht ideal, denn bei diesem wichtigen Vorgang blieb am Ende immer die Unsicherheit bestehen, ob die Reinigungsmittel im Hygieneprozesseffizient und nachhaltig genutzt werden. Angesichts der strengen Hygienevorschriften in der Lebensmittelindustrie ein wichtiger Punkt in der Qualitätssicherung.

Alexander Berndt aus dem MindSphere-Team war frühzeitig in das Projekt eingebunden. Er erinnert sich, wie hochprofessionell alles ablaufen musste, denn die Vorgaben des Kunden an Calvatis waren streng: "Diverse Energiewerte der Reinigungsanlagen, Temperaturen, Wasserverbräuche sowie die Qualität der Reinigungsmittel mussten überwacht und entsprechende KPIs als Basis für Steuerungsprozesse entwickelt werden." Eine weitere Herausforderung: Diese KPIs sollten nicht nur den jeweiligen Produktionsverantwortlichen am Standort, sondern auch einem fürs Gesamtunternehmen verantwortlichen Qualitätsmanager zugänglich sein. Ehrgeiziges Ziel war, eines der Produktionswerke über SSL/TLS-verschlüsselte Datentransfers mit der MindSphere und dem Calvatis-Interface in einem Pilotprojekt zu verlinken. Zeit bis zur Realisierung: so wenig wie möglich.

Vor 18 Monaten begann der Pilotversuch dann im ersten Werk, weniger als drei Monate waren damals seit dem ersten Gespräch von Calvatis mit dem Mind-Sphere-Team vergangen. Der Kunde zeigte sich von der messbaren Effizienzsteigerung, der Kostenreduktion und der gravierenden Verbesserung der Produktsicherheit schnell so überzeugt, dass seit Jahresbeginn bereits die Reinigungsanlagen an vier Standorten über die Calvatis-Applikation in der MindSphere überwacht werden.

Glück? "Ein bisschen Hilfe von oben braucht man natürlich immer, wenn alles so reibungslos laufen soll", weiß Alexander Berndt. Doch es gehöre sehr viel mehr dazu, vor allem unternehmerisches Denken und Offenheit für neue Konzepte und Ideen. Berndt: "Das ist sicher ein Vorzeigeprojekt, denn eine Umsetzung vom ersten Gedankenaustausch mit Calvatis bis zum Probelauf in der Pilotanlage innerhalb weniger Wochen darf getrost als einzigartig bezeichnet werden. Möglich war das jedoch nur, weil Calvatis eine extrem offene Denkweise an den Tag legt und die Chance des IoT längst für sich erkannt hat." Die kleinen Hürden, die auf dem kurzen Entwicklungsweg zu meistern waren, etwa die Anbindung von MindSphere an das Datensystem des Kunden, ließen sich leicht aus dem Weg räumen.

Vielen Unternehmen könne dieser Case als Vorbild und Mutmacher dienen, betont der Siemens-Vertriebsmann. Calvatis habe sehr früh die Gelegenheit beim Schopf ergriffen, die digitale Geschäftsmodelle böten, um neue Services zu generieren. Auch der deutschen Chemieindustrie, zu der Calvatis gehört, eröffneten sich in der Wechselwirkung mit MindSphere ganz neue Business-Modelle, so Berndt: "Viele andere Unternehmen sind noch im Proof of Concept, sie evaluieren die Chancen, die diese neue Technik bietet, doch sie warten ab, wie Wettbewerber sich in dieser Hinsicht platzieren." Calvatis sei bereits einige Schritte weiter. Industrie 4.0 hat dank MindSphere und Calvatis nun einen Präzedenzfall.

Diese Innovationsfähigkeit des Hygienemanagement-Anbieters aus Baden-Württemberg passt übrigens sehr gut zu einem der wichtigsten Vorteile der MindSphere - der Möglichkeit, Daten via Plug & Play in die Cloud zu implementieren. So verbindet sich Schnelligkeit mit intelligenter Datenauswertung und höchster Datensicherheit.