Deloitte-Studie

Bereits jeder Sechste nutzt Smart-Home-Produkte



Tillmann Braun ist freier Journalist und Kommunikationsberater für non-profit Organisationen und Unternehmen. Sein Fachgebiet sind innovative IT-Lösungen für die Vernetzung von Menschen und Maschinen. Zu seinen Spezialthemen gehören intelligente (Heim-)Netzwerke, Machine-to-Machine-Kommunikation, Mobile Payment, IT-Strategien und vielfältig einsetzbare Kommunikationssysteme.
Laut einer aktuellen Deloitte-Studie ist das Verbraucherinteresse an Smart-Home-Produkten in den letzten Jahren stark gestiegen. Der Großteil aller Nutzer wünscht sich dabei offene Systeme, die sie nicht auf einzelne Hersteller einschränken.
Die meisten Nutzer erhoffen sich vom Smart Home einen Zugewinn an Komfort und Sicherheit - allerdings nicht um jeden Preis.
Die meisten Nutzer erhoffen sich vom Smart Home einen Zugewinn an Komfort und Sicherheit - allerdings nicht um jeden Preis.
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Die Verbreitung von Smart-Home-Produkten ist in den vergangenen drei Jahren stark gestiegen. Das zeigt eine neue Studie, die von ResearchNow im Auftrag des Beratungsunternehmens Deloitte unter 2.000 Personen durchgeführt wurde. So lag die Wachstumsrate bei Lautsprechern wie Amazon Echo, aber auch bei Leuchten und Thermostaten bei bis zu 67 Prozent. Insgesamt, so die Erhebung, nutzt bereits jeder sechste Deutsche Smart-Home-Produkte. Unter den 35- bis 44-Jährigen sind es sogar 23 Prozent. Rund 14 Prozent der Haushalte in Deutschland haben heute einen Mediaserver im Einsatz, 13 Prozent einen smarten Lautsprecher und sechs Prozent ein intelligentes Reinigungsgerät.

Die Nachfrage ist groß: Wünsche der Verbraucher beim Smart Home
Die Nachfrage ist groß: Wünsche der Verbraucher beim Smart Home
Foto: Deutsche Telekom AG

Das grundsätzliche Interesse liegt je nach Altersgruppe zwischen 20 und 30 Prozent. Doch selbst bei den über 65-Jährigen besitzt bereits heute jeder Elfte ein Smart-Home-Gerät. "Von einem Boom zu sprechen, wäre noch verfrüht, aber die Verbreitung von Smart-Home-Komponenten nimmt zu", sagt Dr. Gunther Wagner, Director Technology bei Deloitte. "Der Kenntnisstand ist bei nahezu allen Altersgruppen deutlich gestiegen."

Insellösungen haben ausgedient

So lässt sich wohl auch erklären, dass geschlossene Systeme immer weniger Zustimmung finden. Bis auf wenige ältere Nutzer wünscht sich der Großteil aller Verbraucher offene Plattformen. 71 Prozent ist es wichtig oder sogar sehr wichtig, dass sie ihr Smart Home bedarfsgerecht aufbauen und erweitern können, ohne auf einzelne Hersteller eingeschränkt zu sein.

Dieser Wunsch scheint auch bei den Anbietern und Herstellern immer häufiger Gehör zu finden. Beispielsweise setzen mit der Deutschen Telekom, AVM, Panasonic und Gigaset etliche renommierte Anbieter auf den Funkstandard Ultra-Low-Energy (ULE). Von der ULE Alliance zertifizierte ULE-Geräte lassen sich vom Endanwender leicht miteinander kombinieren. Und selbst nicht-zertifizierte Geräte sind mitunter über Herstellergrenzen hinweg einsetzbar, wenn sie das sogenannte HAN-FUN-Protokoll unterstützen.

Nicht zuletzt aufgrund der technischen Weiterentwicklungen ist die Mehrheit aller Besitzer von Smart-Home-Produkten mit den jeweils eingesetzten Lösungen zufrieden. Der Studie zufolge nutzen 87 Prozent ihre Produkte deshalb auch regelmäßig. Bei den Beweggründen fürs Smart Home spielen Komfort (56 Prozent) und Sicherheit (49 Prozent) die größte Rolle. Bei smarten Heizthermostaten sind die potenziellen Einsparmöglichkeiten zudem ein wichtiger Faktor (38 Prozent).

Kosten sind häufig der Knackpunkt

Die derzeit mitunter noch hohen Kosten für die Smart-Home-Lösungen sind der Hauptgrund, wieso noch nicht mehr Verbraucher auf eine intelligente Vernetzung setzen. 38 Prozent der Befragten finden die Systeme weiterhin zu teuer. Im Jahr 2015 lag der Anteil allerdings noch bei 44 Prozent. Weitere aktuelle Kritikpunkte sind mitunter mangelnder Datenschutz bzw. die Frage nach der Sicherheit der übermittelten Informationen. Die Bereitschaft, Daten zu teilen, nimmt dennoch weiter zu. Aktuell sind 52 Prozent hier zu keinen Kompromissen bereit - 2015 lag die Zahl noch bei 57 Prozent. Prinzipiell haben junge Anwender weniger Bedenken als ältere. Zudem belegt die Studie, dass die jüngeren Generationen eher Unternehmen aus der Consumer-Electronics- und Telekommunikationsbranche vertrauen als großen Internetfirmen.

Verbraucher wollen Herr im eigenen Smart Home sein

Als favorisierte Steuereinheit hat das Smartphone klar die Nase vorn. Bevorzugt werden derzeit Apps in Verbindung mit Touch-Steuerung. Laptops, aber auch Tablets kommen dagegen für die wenigsten Nutzer infrage. Auch Sprachassistenten sind noch nicht weit verbreitet - was sich mit den neusten Lösungen wie smarten Lautsprechern allerdings ändern könnte.

Einigkeit herrscht bei der Frage nach Kauf oder Miete: Lediglich 14 Prozent können sich ein Abonnement beziehungsweise ein gebührenbasiertes System vorstellen. Wie bei den eigenen vier Wänden wollen Smart-Home-Anwender offenbar am liebsten Herr im eigenen Haus sein. (mb)