Interview

"Beim Jahreswechsel sind wir rund um die Uhr da"

17.09.1999
Mit Don Jones, Director Year 2000 Readiness bei Microsoft Corp., sprach CW-Redakteur Jan-Bernd Meyer

CW: Microsoft hat auf seiner Homepage den Y2K-Status seiner Produkte offengelegt. Das ist eine riesige Liste. Irritierend ist die Tatsache, daß Microsoft unterschiedliche Definitionen von Y2K-Fitneß gebraucht, grundsätzlich aber immer sagt: "Es gibt kein Jahr-2000-Problem." Wozu dann unterschiedliche Definitionen?

Jones: Das ist mein Lieblingsthema: Ich rede ständig über diesen Punkt mit Kunden. Zunächst ist zu sagen, daß es viele Definitionen von Y2K-Fitneß gibt und nicht nur eine verbindliche. Microsoft hat seine Software auf vier Dinge hin überprüft: Schafft sie den Sprung in das Jahr 2000? Hat sie ein Schaltjahrproblem? Wird sie bis zum Jahr 2035 problemlos arbeiten? Gibt es Schwierigkeiten mit dem Datum 9.9.99? Danach haben wir verschiedene Y2K-Levels definiert. Level 1: kein Problem, der Anwender muß nichts tun. Level 2: Im Prinzip alles okay, aber es gibt Software-Updates, die man installieren sollte.

CW: Dann ist also diese Software doch nicht Y2K-fit?

Jones: Das hängt vom Kunden ab. In Windows 3.1 etwa kann man das Datum nicht per Mausklick, wohl aber über die Tastatur verändern. Ist das ein Y2K-Problem? Es geht beim Level 2 eher um esoterische Dinge, nicht um wirkliche Schwierigkeiten.

CW: Alle Produkte, die Microsoft jetzt verkauft, sind also Y2K-fit?

Jones: Ja. Und natürlich die, die wir künftig verkaufen.

CW: Noch einmal: Alle Betriebssysteme inklusive Windows 95, 98 und Windows for Workgroups sowie alle Applikationen sind okay?

Jones: In Windows for Workgroups gibt es einige wenige Dinge, die wir nicht gelöst haben. Aber prinzipiell sind sie alle Y2K-fertig. Bislang hat mir noch kein Kunde gesagt, er sei gezwungen, wegen der Y2K-Problematik auf ein neueres Produkt zu wechseln. Wenn wir irgend etwas finden, was im Zusammenhang mit Y2K problematisch sein sollte, werden wir es veröffentlichen.

CW: Mußte Microsoft Großkunden garantieren, daß seine Softwareprodukte definitiv Y2K-fit sind?

Jones: Jeder fragt momentan jeden nach Garantien. Wir tendieren dahin, solche Erklärungen nicht abzugeben. Aber es gibt einige wenige Firmen, die darauf bestehen.

CW: Hat Microsoft viele Anfragen wegen der Y2K-Fähigkeit seiner Produkte bekommen?

Jones: Praktisch jeder hat uns einen Brief geschrieben. Ich glaube, wir haben pro Woche 3000 solche Anfragen beantwortet, insgesamt wohl 450000.

CW: Was macht Microsoft am 31.Dezember 1999? Gibt es Sonderschichten? Werden zusätzliche Hotlines, Call-Center eingerichtet?

Jones: Wir sind gerade dabei, entsprechende Pläne zusammenzustellen. Wir gehen nicht davon aus, daß es irgendwelche Probleme mit unseren Produkten und damit bei unseren Kunden geben wird. Ich werde mit meinem Team eine Woche vor Sylvester und eine Woche danach rund um die Uhr arbeiten. Unsere wichtigsten Entwickler werden ebenfalls in den kritischen Tagen Dienst schieben. Bei Microsoft Deutschland werden in der fraglichen Zeit rund um die Uhr Acht-Stunden-Schichten gefahren.

CW: Gibt es unter Ihren Kunden, insbesondere bei Großunternehmen, welche, die in der Sylvesternacht einen Microsoft-Spezialisten vor Ort haben wollen?

Jones: Einige haben nach solch einem Service gefragt, und wir machen das dann auch. Mit einigen Großkunden haben wir Zusatzverträge vereinbart, die speziell das Y2K-Problem abdecken.

CW: Die US-Regierung nimmt das Y2K-Problem offensichtlich sehr ernst. In den USA müssen Unternehmen Rapport erstatten, wie weit sie mit ihren Y2K-Vorbereitungen sind.

Jones: Das stimmt. Ich war gerade erst bei einer Anhörung des US-Kongresses und mußte aussagen, wie es um die Jahr-2000-Fitneß von Microsoft bestellt ist, welche Projekte wir dazu gestartet haben. Das müssen alle möglichen Unternehmen machen. Auch die Stromversorger von Seattle und die Stadtverwaltung mußten das. An uns ist der Kongreß einfach deshalb interessiert, weil wir Software schreiben.

CW: Was wollte der Kongreß von Ihnen wissen?

Jones: Drei Dinge: Wie wir als Firma Microsoft auf das Jahr 2000 vorbereitet sind, wie wir also unsere internen Abläufe, technologischen Einrichtungen überprüft haben etc. Zweitens habe ich den Abgeordneten erklären müssen, wie es um die Jahr-2000-Fitneß unserer Produkte, unserer Software bestellt ist und was wir an Hilfestellungen anbieten. Drittens sprachen wir über die Y2K-Fitneß unserer Kunden.