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Bei SAP kranken die Kliniklösungen

13.02.2003
In vielen Kliniken leidet die IT-Abteilung an mangelhafter Unterstützung der Softwareanbieter. Dabei steht immer wieder SAP im Mittelpunkt der Kritik.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - In vielen Kliniken leidet die IT-Abteilung. Neben den komplexen Arbeitsabläufen, die von Krankenhaus zu Krankenhaus verschieden sind und sich nur schwer in der IT-Infrastruktur abbilden lassen, bemängeln die Administratoren die meist mangelhafte Unterstützung der Softwareanbieter. Dabei steht immer wieder SAP im Mittelpunkt der Kritik.

Im jüngsten Bericht des Bayerischen Rechnungshofes kommen die Universitätskliniken in München, Regensburg, Erlangen und Würzburg nicht gut weg, was ihre IT-Strategie betrifft. So sei es nicht gelungen, Entwicklungen und Ressourcen effizient zu bündeln. Applikationen für die gleichen Aufgaben seien mehrfach parallel entwickelt worden. Außerdem hätten es die Verantwortlichen nicht geschafft, SAP-Anwendungen einheitlich an die klinikspezifischen Belange anzupassen.

Foto: Argum
Foto: Argum

Probleme habe es den Rechnungsprüfern zufolge vor allem mit dem SAP-Produkt IS-H (Industry Solution for Hospitals) gegeben, mit dessen Hilfe Patienten ursprünglich einheitlich verwaltet und abgerechnet werden sollten. Trotz dieser Pläne würden bei verschiedenen klinischen Einrichtungen nach wie vor Subsysteme für diese Aufgaben eingesetzt. Dabei gebe es Probleme beim Datenaustausch mit dem SAP-System. Die Folge sei, dass Daten zum Teil mehrfach erfasst würden oder ganz verloren gingen. Außerdem lehnten es viele Ärzte wegen der umständlichen Handhabung weitgehend ab, ihre Diagnosen und Leistungen mit IS-H zu erfassen.

Ein weiteres Manko der SAP-Lösung sei laut dem Rechnungshofbericht die fehlende Abrechnungsmöglichkeit ambulanter Kassenpatienten mit den kassenärztlichen Vereinigungen. Da diese Abrechnungen aufgrund der fehlenden Zertifizierung mit IS-H nicht akzeptierten, hätten für weit mehr als 100 000 Euro ergänzende Individuallösungen angeschafft werden müssen. Zusätzlich würden jährlich Zuschläge in Höhe von 1,5 Millionen Euro an die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) fällig, da die Abrechnungsdaten manuell eingereicht würden. Insgesamt hätten die Unikliniken rund acht Millionen Euro in die Patientenverwaltung und -abrechnung investiert. Davon hätte ein Großteil durch eine bessere Abstimmung der verschiedenen Einrichtungen eingespart werden können, lautet das Fazit des Rechnungshofes.

Neben IS-H kritisieren die Prüfer auch den Einsatz des Personal-Management-Systems HR (Human Resources) von SAP. So seien trotz jahrelanger Entwicklung von Seiten SAPs die Module für Dienstplanung und Überstundenabrechnung nicht einsatzreif. Diese müssten trotz der Investitionen in Höhe von 870000 Euro nach wie vor manuell abgewickelt werden.

Kliniken wollen Eigenständigkeit wahren

Das für die Unikliniken zuständige Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst weist die Vorwürfe zurück. Die verantwortlichen Gremien hätten sich stets um eine möglichst weitgehende Einheitlichkeit bemüht. Von Mehrfachentwicklungen für gleiche Aufgaben wisse man nichts. Letztendlich seien die Universitätskliniken eigenständige Staatsbetriebe, deren Vorstände die volle Verantwortung für die Informationstechnik übernehmen müssten. Das Staatsministerium setze jedoch auf "deren aus innerer Überzeugung getragene Zusammenarbeit", heißt es in der Antwort auf den Bericht.

Damit ist es jedoch nicht weit her. Birgit Tege, die die IS-H-Systeme an der Uniklinik in Regensburg betreut, weiß nichts von einem Austausch zwischen den einzelnen Einrichtungen. Es wäre aus ihrer Sicht durchaus sinnvoll, sich in Sachen Standardfunktionen zusammenzutun. Dies scheitere jedoch meist an den individuellen Vorstellungen der Verantwortlichen, was letztlich wieder auf Einzelentwicklungen hinauslaufe.

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