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Bei Oracle kann eine Krankheit teuer werden

09.08.2000

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Wie kann ein einziger Krankheitstag bei Oracle zehn Millionen Dollar wert sein und den US-Datenbankspezialisten noch dazu in einen Rechtsstreit mit einem ehemaligen Vorstandsmitglied treiben? Fast vier Jahre lang leitete Pier Carlo Falotti als Executive Vice President von Genf aus die Geschäfte für Europa, den Mittleren Osten und Afrika. Ende Mai dieses Jahres wurde ihm dann aus nicht näher genannten Gründen gekündigt - und dies nur vier Tage, bevor seine Aktienoptionen im Wert von zehn Millionen Dollar fällig geworden wären. Der Ex-Manager ist der Ansicht, das Aktienpaket würde ihm dennoch rechtmäßig zustehen. Am festgelegten letzten Arbeitstag bei Oracle war es Falotti nämlich aus Krankheitsgründen nicht möglich, noch einmal zur Arbeit zu erscheinen. Dies ist umso pikanter, da es Unternehmen in der Schweiz nach geltendem Recht untersagt ist, ein

Arbeitsverhältnis an einem Tag zu beenden, an dem der betreffende Arbeitnehmer krank geschrieben ist. Als Antwort auf die juristischen Tricks des ehemaligen Managers hat Oracle nun einen Prozess vor dem US-Bezirksgericht in San Franzisko angestrengt. Der Konzern versucht dort, einen Richterspruch zu erwirken, der den eigenen Arbeitsvertrag über Schweizer Recht stellt.