Digitale Transformation

Bei der Digitalisierung etwas falsch verstanden

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Gut jeder fünfte Entscheider erklärt, die digitale Transformation abgeschlossen zu haben – ein gefährlicher Irrglaube, mahnen die Analysten von Forrester. Komplett verschiedene Arbeitsweisen in Unternehmen führen zu einem "Krieg" rund um Digitalisierung.
  • In 37 Prozent der Unternehmen hat der CIO bei der Digitalisierung den Hut auf
  • 56 Prozent der Unternehmen sehen sich mitten in der Transformation
  • Kein Unternehmen werde je transformiert sein, Veränderung wir zu einem Dauerzustand.
  • Software, Cloud und neue Technologien sind keine Enabler, sondern Business Assets.

Seinen Kommentar zum Status der Digitalisierung verhehlt Ted Schadler nicht: "The sorry state of digital transformation in 2018" nennt der Forrester-Analyst seine aktuelle Studie. Schadler sieht einige Entscheider auf einem Irrweg.

Unternehmen investieren vor allem in Software-as-a-Service, Sicherheit/Datenschutz und mobile Applikationen, um sich zu digitalisieren.
Unternehmen investieren vor allem in Software-as-a-Service, Sicherheit/Datenschutz und mobile Applikationen, um sich zu digitalisieren.
Foto: Forrester

Der Marktforscher hat die knapp 1.600 Manager in Nordamerika und Europa nach dem Stand der Digitalisierung in ihren Unternehmen gefragt. Eine Mehrheit von 56 Prozent steckt mitten in der Transformation. 15 Prozent sind noch in einer Erhebungsphase, sieben Prozent machen Fortschritte, sprechen aber explizit (noch) nicht von einer Transformation. Ihnen stehen 21 Prozent gegenüber, die die digitale Transformation abgeschlossen haben.

Diese 21 Prozent lässt Schadler nicht unkommentiert stehen. Sie hätten etwas falsch verstanden, schreibt er. Kein Unternehmen werde je transformiert sein. Veränderung sei künftig ein Dauerzustand, so der Analyst. Er zitiert einen Studienteilnehmer mit der Aussage, man habe unterschätzt, wie weit die eigenen Kunden in Sachen Digitalisierung vorangekommen sind. "Die Kunden werden sie zwingen, sich ständig weiterzuentwickeln", erklärt Schadler.

Eigenständige neue Position auf C-Level gewünscht

Meist liegt die Digitalisierung in den Händen des CIO. 37 Prozent nennen ihn als erstes. Mit deutlichem Abstand folgen der CEO (24 Prozent), der Chief Digital Officer (18 Prozent) und der Chief Data Officer (15 Prozent). Seltener ist der Chief Marketing Officer verantwortlich (zwölf Prozent). Allerdings würden 30 Prozent der Befragten gern eine eigenständige neue Position auf C-Level einrichten, die die Transformation leitet.

Der Forrester-Analyst hält Digitalisierungs-Chefs "manchmal" für die beste Wahl, weil sie eine Außensicht mitbrächten. Erste Wahl bleibt für ihn aber der CIO - wenn er die Sache "aufgeklärt" angeht. Aufgeklärt heißt hier: Der CIO kombiniert seine Technologie-Kompetenz mit sehr genauen Einblicken in das gesamte Unternehmen und weiß daher, wie er welche Veränderungen orchestriert. Solche Exemplare von CIOs seien aber selten, unkt Schadler selbst.

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Auch, wenn ein CIO den Vorstellungen des Analysten entspricht, dürfte er es nicht immer leicht haben. Einer der Befragten sprach von einem "Krieg" zwischen innovativen Technologen und technikfeindlichen Business-Entscheidern in seinem Unternehmen. Der Befragte führt das auf die komplett unterschiedlichen Arbeitsweisen zurück, die beide Lager verkörpern.

Fragen von Kultur und Technologie

Damit ist die Studie beim Thema Kultur angekommen. Auf die Frage, wie Digitale Transformation umzusetzen sei, nennt eine Mehrheit (52 Prozent) zunächst einmal das Etablieren einer innovationsfreundlichen Kultur. Mit sichtbarem Abstand folgen neue digitale Plattformen (39 Prozent) und neue Maßstäbe beim Messen abteilungsübergreifender Zusammenarbeit (34 Prozent). Weitere Mittel sind Design Thinking und Customer Journey (32 Prozent) sowie der Zukauf von Firmen mit digitaler Kompetenz (30 Prozent).

Für die meisten Befragten ist Digitalisierung ein Technologie-Thema. 38 Prozent sehen die Technologie als größten Treiber des zukünftigen Business. 31 Prozent nennen die weltweiten wirtschaftlichen Veränderungen auf den Märkten und 16 Prozent Vorgaben aus der Politik. Lediglich 15 Prozent nennen Wettbewerber aus ihrer Branche.

Höchste Investitionen in SaaS

Die ersten Prozesse, die die Befragten im Rahmen der Transformation angehen wollen, sind denn auch die IT-Prozesse. Sie investieren in Software-as-a-Service (55 Prozent), Technologien für Sicherheit und Datenschutz (47 Prozent) und mobile Anwendungen (46 Prozent). Es folgen Software für Data und Analytics (36 Prozent), Lösungen zur Kundenbindung (33 Prozent) und IoT-Lösungen (Internet of Things, 29 Prozent). Seltener nennen die Befragten Artificial Intelligence (17 Prozent), die Blockchain (elf Prozent) und Augmented Reality (zehn Prozent).

Nicht Enabler, sondern Business Assets

Die größten Herausforderungen sehen die Studienteilnehmer in den Punkten Sicherheit (31 Prozent) und Technologie-Strategie (24 Prozent). Außerdem nennen sie die Unternehmenskultur (23 Prozent) und den Mangel an Technologie-Skills (20 Prozent).

Schadler appelliert an Entscheider, Software, Cloud Computing und neuartige Technologien nicht als "Enabler" zu sehen. Er sagt: "Das sind Business Assets!"