Buchrezension "Wenn die Dinge mit uns reden"

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12.02.2021
Von 
Beate Wöhe leitet als Director Experts Network das IDG Experten-Netzwerk für alle Online-Portale der IDG Business Media GmbH. Sie hat diese Position nach über zehnjähriger Tätigkeit als Redakteurin und leitende Redakteurin des IDG-Titels ChannelPartner im Juli 2014 übernommen. Ihr obliegt die Betreuung der Experten sowie der weitere Ausbau der Community.
Sie sind für viele Menschen zu alltäglichen Begleitern geworden. Christoph Drösser gibt in seinem Buch interessante Einblicke zu Bots und Sprachassistenten. Für so manche Überraschung ist dabei gesorgt.
"Wenn die Dinge mit uns reden" - ein neues Buch beschäftigt sich mit der Geschichte sprechender Gerätschaften.
"Wenn die Dinge mit uns reden" - ein neues Buch beschäftigt sich mit der Geschichte sprechender Gerätschaften.
Foto: Daisy Daisy - shutterstock.com

Blasebalg, Zugenpfeiffe und Trichter. Mehr brauchte ein ungarischer Ingenieur im 18. Jahrhundert nicht, um "sprechenden Maschinen" menschenähnliche Laute zu entlocken. Von diesem Punkt an nimmt Christoph Drösser seine Leser mit auf eine abenteuerliche Reise der Sprachforschung, Sprachpsychologie und der technischen Entwicklung von Sprach-Bots.

Von Schwatzrobotern und nützlichen Chatbots

Der Autor begleitet die Entwicklungsgeschichte der redenden Dinge. Interessant ist, dass der Leser auch die Ziele der Entwickler erfährt und ob diese auch erreicht wurden. Als eines der Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit nennt Drösser Microsofts Flop mit "Tay": "Nach 16 Stunden und 96.000 Tweets nahm Microsoft den Bot vom Netz."

Neben Chatbots, die Unternehmen in der Kommunikation mit Kunden verwenden oder die in sozialen Netzwerken per künstlicher Intelligenz präsent sein sollen, nimmt der Autor natürlich auch die Dinge unter die Lupe, die für viele Leser bereits ein fester Teil ihres Lebens geworden sind. Wussten Sie, dass die Geschichte digitaler Assistenten bereits 1987 ihren Lauf nahm? Lange bevor der Apple-Manager Scott Forstall 2011 während einer Produktpräsentation verkündete: "Ich bin sehr glücklich, Ihnen heute Siri vorstellen zu können." Seine Frage nach dem Wetter beantwortete Siri mit der Stimme von Susan Bennett, die für Siri jahrelang hunderte von Stunden Sprachschnipsel eingesprochen hatte.

Fremde Ohren in unseren Häusern

Auch der Frage, was mit den empfangenen Audiodaten von Millionen von Sprachassistenten passiert, die in unseren Wohnräumen stehen, geht der Autor nach. Eines der Ergebnisse, das er anhand einer Recherche des Wirtschaftsnachrichtendienstes Bloomberg beschreibt, ist: Nein, das wird hier nicht verraten - lesen Sie es im Buch.

Nach wie vor arbeiten Technologieunternehmen und Wissenschaft an der Entwicklung perfekter Sprach-Bots oder Assistenten. Der Autor hat in seinem Buch mit vielen daran Beteiligten Gespräche geführt. Interviewpartner sind zum Beispiel die US-Politikwissenschaftlerin Sarah Kreps zum Thema GPT-2 und der Lehrbeauftragte für Informatik, Leigh Clark, der unter anderem Fragen zur Stimm- und Sprachentwicklung von Computerstimmen beantwortet.

Sagen Sie Bitte und Danke?

Das informative Buch "Wenn die Dinge mit uns reden" beleuchtet Technologien wie Chatbots und Sprachassistenten aus vielen Perspektiven. Damit beantwortet der Wissenschaftsjournalist Christoph Drösser viele Fragen, die sich Leser im Umgang damit eventuell schon selbst einmal gestellt haben. Das Besondere an der Lektüre ist, dass es sich nicht um eine langweilig abgehandelte technische Ausführung handelt. Denn durch viele lebendige Beispiele, eigene Erfahrungen und Gespräche, die Drösser beschreibt, nimmt er seine Leser mit in eine digitale Welt, mit der wir analogen Menschen täglich ganz selbstverständlichen Kontakt haben.

Christoph Drösser: Wenn die Dinge mit uns reden
Christoph Drösser: Wenn die Dinge mit uns reden
Foto: Dudenverlag Berlin

"Will ich mit dem Mechanismus, der mein 'Internet der Dinge' steuert, eine respektvolle Beziehung eingehen? Wohl kaum. Eher kann man argumentieren, dass man schon deshalb seine Sprache gegenüber den elektronischen Helfern zügeln sollte, um keine schlechten Angewohnheiten auszubilden. Aber ständig 'bitte' und 'danke' zu unbelebten Dingen zu sagen, geht für viele doch einen Schritt zu weit", so Drösser in seinem Buch.

Titel: Wenn die Dinge mit uns reden
Herausgeber: Christoph Drösser
Verlag: Dudenverlag Berlin
ISBN: 978-3-411-74225-7
Erscheinungsdatum: Oktober 2020
Seiten: 160
Preis: 16,00 Euro
EBook: ISBN: 978-3-411-91323-7
EBook Preis: 13,99