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Beamer im Handy - Heinrich Hertz' Erben setzen auf Mobilfunk-Finessen

22.02.2007
Das Heinrich-Hertz-Institut in Berlin ist ein schmuckloses Hochhaus nahe der Technischen Universität. Doch hinter der nüchternen Fassade tüfteln die Forscher - gleichsam als Erben des Namenspaten ihres Instituts - an der bunten Mobilfunktechnik von morgen.

So sind etwa winzige Beamer im Handy keine ferne Zukunftsmusik mehr. Die Mini-Projektoren könnten zum Beispiel Mobilfunk-Fernsehen oder Konsolen-Spiele auf eine größere Bildfläche strahlen. An dem zur Fraunhofer-Gesellschaft gehörenden Heinrich-Hertz-Institut (HHI) arbeiten die Forscher unter anderem daran, die nötigen großen Datenströme für solche Anwendungen auch ins Handy zu bringen.

Der Radiowellen-Entdecker Heinrich Hertz, der vor 150 Jahren - am 22. Februar 1857 - in Hamburg geboren wurde, hätte für solche Entwicklungen vermutlich keinen Sinn gehabt. Der brillante Physiker entwickelte zwar die erste Antenne. Doch an Radios oder drahtlose Verbindungen dachte er nicht. Hertz war glühender Grundlagenforscher, wie HHI-Sprecher Wolf von Reden betont. "Anwendungen waren für Hertz völlig nebensächlich."

Heinrich Hertz, der auf zeitgenössischen Bildern als bärtiger Forscher mit ernstem und strengem Blick erscheint, gilt also ebenso brillanter Experimentator wie herausragender Theoretiker. Er hatte in Berlin studiert und lehrte später in Kiel, Karlsruhe und in Bonn als Privatdozent und Professor. Hertz beschäftigte sich unter anderem mit Kathodenstrahlen, der Elektrodynamik und dem photoelektrischen Effekt, für dessen korrekte Deutung Albert Einstein wenige Jahrzehnte später den Nobelpreis bekam.

In seiner fruchtbarsten Schaffensphase in Karlsruhe entdeckte Hertz 1886 die elektromagnetischen Wellen und vollendete damit den bereits vorausgesagten Brückenschlag zwischen Elektrizität und Licht. Heute wird die Frequenz von elektromagnetischen und ebenso allen anderen Schwingungen weltweit in der Einheit Hertz (Hz) gemessen - in Form von Megahertz (MHz) findet sie sich auf nahezu jedem Radio.

Von Reden ist überzeugt, dass auch Heinrich Hertz den Nobelpreis bekommen hätte, der 1901 das erste Mal vergeben wurde. Doch so viel Zeit bleib dem großen Physiker nicht. Heinrich Hertz starb 1894 mit nur 37 Jahren an einer Blutvergiftung im Kiefer. Das Penizillin, das ihn hätte retten können, entdeckte Alexander Fleming erst 1928 - und bekam dafür 1945 den Nobelpreis.

Die Tradition der Heinrich-Hertz-Institute ist eine sehr deutsche Geschichte. Da Hertz Jude war, wurde sein Name in der Nazizeit getilgt. Nach der deutschen Teilung gab es dann gleich zwei Heinrich-Hertz-Institute - eines in Ost- und eines in Westberlin. Heute ist das Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik, das seinen Namen trägt, wieder ein Unikat in Deutschland.

Die Weiterentwicklung mobiler Endgeräte sind für die HHI-Wissenschaftler Herzenssache. Das Institut mit 215 Mitarbeitern und einem jährlichen Gesamtbudget von rund 20 Millionen Euro beschäftigt neben Nachrichtentechnikern, Physikern und Chemikern sogar Pädagogen und Psychologen. Sie prüfen, wie reizvoll neue Entwicklungen für Kunden sein könnten.

Teenager sind in der Regel die ersten Nutzer, auf die Produktionsfirmen bei Neuentwicklungen setzen. Eines der Ziele der HHI-Wissenschaftler ist es zurzeit, immer kleinere und leistungsfähigere mobile Endgeräte zu entwickeln, an die sich später auch andere Generationen gewöhnen. "Im Prinzip geht es immer um wunderbare bunte Bilder", sagt von Reden. So könnten in naher Zukunft auf einem Mini-Laptop Fußballübertragungen zu sehen sein. Nur die Akkuleistung sei noch ein Flaschenhals bei diesen Entwicklungen.

Was Heinrich Hertz zu der Forschung unter seinem Namen gesagt hätte? "Wenn es danach geht, müssten wir wohl besser Marconi-Institut heißen", ergänzt von Reden lächelnd. Guglielmo Marconi (1874-1937) war ein italienischer Physiker und Elektroingenieur, der als Pionier der drahtlosen Telekommunikation gilt. (dpa/tc)