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BayStar: SCO wurde von Microsoft empfohlen

12.03.2004

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Das 50-Millionen-Dollar-Investment von BayStar Capital in die SCO Group (Computerwoche.de berichtete) kam offenbar tatsächlich auf Empfehlung von Microsoft zustande. Bob McGrath, Sprecher von BayStar, bestätigte gestern, dass Microsoft-Manager seine Firma auf SCO als lohnendes Investitionsobjekt aufmerksam gemacht hätten. "Manager von Microsoft haben SCO bei BayStar eingeführt", so McGrath, der gleichzeitig abwiegelte: "Wir sprechen ständig mit Einzelpersonen über Investments."

Die Angelegenheit - die weder Microsoft noch SCO kommentierten wollten - entbehrt natürlich nicht einer gewissen Pikanterie, denn SCO zieht seit Frühjahr 2003 massiv juristisch gegen das Open-Source-Betriebssystem Linux zu Felde - und genau dieses ist auch Microsoft mindestens ein Dorn im Auge, denn es gräbt Windows zumindest beim Server-Einsatz allerhand Wasser ab. Microsoft hatte im vergangenen Jahr für seine "Services for Unix" auch eine Unix-Lizenz von SCO erworben, die der Firma aus Utah laut SEC-Pflichtveröffentlichung 16,6 Millionen Dollar einbrachte. Eine direkte oder indirekte finanzielle Beziehung zu BayStar hat Microsoft aber stets bestritten.

In der vergangenen Woche hatte der prominente Open-Source-Fürsprecher Eric Raymond ein E-Mail veröffentlich, das aus seiner Sicht den Verdacht nahe legt, SCOs Anti-Linux-Kampagne werde im Stillen von Microsoft finanziert (Computerwoche.de berichtete). Er sprach in diesem Zusammenhang von einem "unausgesprochenen quid pro quo [eine Hand wäscht die andere]", das auf Seiten Microsofts aber nur schwer nachzuweisen sei.

Angesichts der neuen Fakten erklärte Raymond gestern: "Sie geben die harmlosesten Teile der Wahrheit zu in der Hoffnung, dass niemand sie zwingen wird, die wirklich interessanten Dinge offen zu legen." Er vermutet, dass weitere pikante Details zum Verhältnis zwischen Microsoft und SCO ans Licht kommen könnten, falls die US-Börsenaufsicht SEC eine Ermittlung gegen SCO einleiten würde.

Bislang hat sich BayStars Investition übrigens alles andere als gelohnt: Ihre Anteile kaufte die Firma zu 16,03 Dollar. Gestern notierte die SCO-Aktie bei 9,66 Dollar, was bedeutet, dass die ursprünglich 50 Millionen Dollar jetzt noch 28,5 Millionen Dollar wert sind. (tc)