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Banken lassen Kirch im Stich

05.02.2002
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nachdem die Kirch-Gruppe bereits Schulden in Höhe von über fünf Milliarden Euro angesammelt hat, halten Banken den Medienkonzern nicht mehr weiter für kreditwürdig. So erklärte der Vorstandsprecher der Deutschen Bank, Rolf-E. Breuer, in einem Interview mit "Bloomberg-TV", seines Wissens würde derzeit keine Bank dem Filmhändler Leo Kirch weitere Darlehen gewähren. Die einzigen, die Kirch jetzt noch unterstützen könnten, seien seiner Meinung nach Drittparteien. Ein Sprecher der Bayerischen Landesbank gab laut Meldung der "Financial Times Deutschland" zu, man sei bei den gewährten Krediten bis an die Grenze des Zulässigen gegangen. Die Gesamtschulden des Medienkonzerns betrügen allerdings etwas weniger als die in Presseberichten oft zitierten 2,2 Milliarden Euro.

Nach Ansicht von Finanzexperten hat sich die Bayern LB dabei jedoch auf ein so genanntes Klumpenrisiko eingelassen, da das Darlehen mehr als zehn Prozent des haftenden Eigenkapitals von etwa 16 Milliarden Euro ausmache. Zwar ist es nach dem Kreditwesengesetz Banken erlaubt, bis zu 25 Prozent ihres Eigenkapitals an einen einzigen Darlehensnehmer zu verleihen. Im Falle eines Konkurses der Kirch-Gruppe käme die Bayern LB jedoch selbst in starke Bedrängnis, da sie die gesetzlichen Vorschriften zur Absicherung der Kredite mit Eigenkapital nur mit äußerster Mühe erfüllen könnte. Derzeit beträgt die Eigenkapitalquote noch rund zehn Prozent, gesetzliches Limit sind acht Prozent der Kreditmasse. Das Risiko bei einer Pleite des Medienkonzerns hatte bereits die Hypo-Vereinsbank erkannt, als sie Mitte Dezember bekannt gab, ihre Kredite betrügen weniger als 500 Millionen Euro. Nachdem der Axel Springer Verlag seine Verkaufsoption für 11,5 Prozent an der Pro Sieben

Sat1 Media AG eingelöst hat und dafür 767 Millionen Euro fordert, spitzt sich die finanzielle Situation der Kirch-Gruppe dramatisch zu. So befürchtet etwa der Medienmogul Rupert Murdoch, der ab Oktober die Verkaufsoption für seine 1,5-Milliarden schwere Beteiligung an dem Pay-TV-Sender "Premiere World" wahrnehmen kann, im Falle eines Bankrotts zu kurz zu kommen. (mb)