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Azul will den Server-Markt aufrollen

24.09.2004
Eine kalifornische Start-up mit prominentem Management hat neuartige Server entwickelt, die mit 24-Core-Prozessoren speziell auf .NET- und J2EE-Anwendungen ausgelegt sind.

Schon seit längerem mutmaßt die Branche, an was wohl die Start-up-Firma Azul Systems im Verborgenen werkelt - nicht zuletzt deswegen, weil ihr President und Chief Operating Officer Stephen DeWitt ist, seines Zeichens früherer Chef des von Sun übernommenen Server-Bauers Cobalt Networks.

Nun lüftet sich laut "Wall Street Journal" der Stealth-Mode-Schleier. Demnach plant Azul nicht bloß eine radikal neue Art von Rechnern, sondern diese sollen auch gleich noch von einzigartigen Prozessoren angetrieben werden. Entgegen dem Branchentrend zu Standard-CPUs hat Azul die Entsprechung von 24 einzelnen Prozessoren auf ein Stück Silizium gepackt. Solche Multicore-Prozessoren gibt es auch schon von unter anderem IBM und Intel, bislang beschränken sich diese aber auf zwei oder vier Kerne.

Azuls Management: Matt McLaughlin, Scott Sellers, Stephen DeWitt, Kenton Chow, Shyam Pillalamarri und Gil Tene (v.l.n.r.)
Azuls Management: Matt McLaughlin, Scott Sellers, Stephen DeWitt, Kenton Chow, Shyam Pillalamarri und Gil Tene (v.l.n.r.)

Eine weitere Besonderheit der Azul-Prozessoren ist, dass diese speziell für neue Programmierkonzepte wie Microsofts .NET oder J2EE (Java 2 Enteprise Edition) von Sun Microsystems ausgelegt sind. Die Firma plant Spezial-Server mit 96 bis 384 Prozessoren, die solche Anwendungen erheblich effizienter und leistungsfähiger ablaufen lassen als herkömmliche Hardware. Sie bezeichnet diese als "Network Attached Processing Solution".

Zielgruppe für die Azul-Server sind Unternehmen, denen es schwer fällt, ihren Server-Bedarf einzuschätzen. Normalerweise laufen auf Servern nur ein oder zwei Applikationen, Azuls Maschinen sollen die wechselnden Workloads einer Vielzahl von Anwendungen verkraften. "Wir wollten die Probleme bei der Kapazitätsplanung rund ums Computing ein für allemal eliminieren", erklärte DeWitt.

Dabei habe sich Azul, das seinen Sitz im kalifornischen Mountain View hat, wesentlich von der Entwicklung von Storage-Systemen inspirieren lassen, erklärte der Azul-COO. Während Anwender in der Vergangenheit den Speicher vom gleichen Hersteller kauften wie ihre Server, entstanden in den 1990er-Jahren technische Standards, die Storage-Systeme ermöglichen, Daten von praktisch beliebigem Typ und fast jeder Ursprungsplattform aufzunehmen.

Auch Java und .NET verwenden eine als Virtuelle Maschine bezeichnete Übersetzungsschicht, dank derer ein Programm auf unterschiedlichen Rechnern und Betriebssystemen ablaufen kann. Solche Applikationen machen zwar heute nur einen Bruchteil der verfügbaren Software aus, DeWitt erwartet aber, dass bis zum Jahr 2008 80 Prozent aller neuen Anwendungen auf Virtuellen Maschinen basieren.

Preise für seine Server nennt Azul noch nicht. Die Maschinen werden ab Herbst bei ausgewählten Kunden getestet und sollen laut DeWitt in der ersten Jahreshälfte 2005 auf den Markt kommen.

Die Idee für spezielle Java-Prozessoren ist alles andere als neu. Nathan Brookwood von Insight64 verweist hier darauf, dass Sun selbst bereits vor Jahren einen solchen Chip gebaut hatte. Dieser war allerdings erfolglos, nicht zuletzt weil bestimmte Teile der unterliegenden Software nicht in Java-Versionen verfügbar waren. Ähnliches könnte dem Analysten zufolge auch Azul drohen. Außerdem sei es schwierig, Anwender zur Abkehr von ihren etablierten Lieferanten zu bewegen. "Wie überzeugen sie Leute mit Workloads, die von solcher Leistung profitieren würden, auf einen Unbekannten zu wetten?", fragt Brookwood.

Azul gibt sich dennoch optimistisch. Seine Spezialprozessoren will es von TSMC (Taiwan Semiconductor Manufacturing) fertigen lassen. Finanziert wird die Start-up übrigens unter anderem von fünf namhaften Venture-Capital-Firmen, nämlich Accel Partners, Austin Ventures, ComVentures, Redpoint Ventures und Worldview Technology Partners. (tc)