Finanzielle Restrukturierung abgeschlossen

Avaya beendet Insolvenzverfahren



Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Nach knapp einem Jahr hat der TK-Ausrüster Avaya seinen Gläubigerschutz nach Chapter 11 in den USA erfolgreich beendet. Durch die Restrukturierung wurde die Schuldenlast auf zirka 3 Milliarden Dollar halbiert

"Dies ist der Beginn eines wichtigen neuen Kapitels für Avaya", sagte Jim Chirico, neuer Präsident und CEO von Avaya seit Oktober 2017. "Nach weniger als einem Jahr seit Beginn des Restrukturierungsprozesses nach Chapter 11 geht Avaya als börsennotiertes Unternehmen mit einer deutlich gestärkten Bilanz aus dem Verfahren hervor."

Nach eigenen Angaben hat der UCC-Anbieter seine Schuldenlast von 6,3 Milliarden Dollar (Stand Ende Januar 2017) um ca. 3 Milliarden Dollar reduziert und schließt das Chapter-11-Verfahren mit 300 Millionen Dollar Barvermögen in der Bilanz ab. Außerdem geht die Avaya-Führung davon aus, dass sich der jährliche Cashflow durch die Reduzierung der Schulden und anderer langfristiger Verpflichtungen gegenüber dem Geschäftsjahr 2016 um ca. 300 Millionen Dollar verbessern wird.

Das Avaya Stadium in San José, Kalifornien
Das Avaya Stadium in San José, Kalifornien
Foto: Mike Brake / Shutterstock.com

Aus Sicht von CEO Chirico besitzt Avaya nun wieder die erforderliche Flexibilität, um in den großen und weiter wachsenden Contact-Center- und Unified-Communications-Markt zu investieren und den Wandel hin zu einem Software-, Services- und Cloud-Lösungsanbieter abzuschließen.

Avaya war bereits vor etlichen Jahren in Schieflage geraten. Schon 2007, als die ehemalige UC- und Callcenter-Sparte von Lucent Technologies von den Investment-Firmen Silver Lake Partners und Texas Pacific Group aufgekauft und von der Börse genommen wurde, drückten die Company hohe Schulden. Die Investoren hofften damals darauf, dass Avayas Einnahmen durch den Verkauf von Telefonausrüstung einigermaßen konstant bleiben würden. Wenn dann noch die Kosten sinken, würde sich ein profitabler Exit ergeben, so die Idee.

Angesichts der beginnenden Finanzkrise ging der Plan aber von Anfang an nicht so recht auf. Als sich der Markt dann wieder etwas erholte, hinkte die Company mit seiner klassischen Telefon-Hardware Wettbewerbern wie Cisco und Microsoft hinterher. Zusätzlich belasteten Avaya die Zinsen für die Milliardenkredite, die Silver Lake Partners und Texas Pacific Group für die Übernahme aufgenommen hatte, sowie die Kosten für Pensionszahlungen als ehemalige Geschäftseinheit von AT&T. Um das Geschäft auf Kurs zu bringen, stellten die Investoren in den Jahren darauf weiteres Kapital bereit, um den insolventen Wettbewerber Nortel (2009) und den israelischen Videoconferencing-Spezialisten Radvision (2012) zu übernehmen. Die Zukäufe erzielten aber nur teilweise den erwünschten Effekt.