Deloittes positive Prognose

Automatisierung ist kein Jobkiller

30.11.2020
Von 
Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting sowie Social Media im Berufsleben.
Menschliche Arbeit wird durch die Digitalisierung nicht überflüssig, im Gegenteil. In vielen Bereichen ist der Mensch weiterhin unverzichtbar und ist durch Technologien wie Robotics und Data Analytics nicht zu ersetzen, so die aktuelle Deloitte- Studie "Jobs der Zukunft" aus der Reihe "Datenland Deutschland".
Die Angst, als Mensch durch die Maschine abgelöst zu werden, sitzt noch tief. Doch Deloitte bringt gute Nachrichten.
Die Angst, als Mensch durch die Maschine abgelöst zu werden, sitzt noch tief. Doch Deloitte bringt gute Nachrichten.
Foto: YAKOBCHUK VASYL - shutterstock.com

Die aktuelle Deloitte-Studie legt dar, wie Nachfrageveränderungen und neue Technologien die Arbeitswelt bis 2035 verändern werden. Wie die Analyse zeigt, sind im Durchschnitt knapp zwei Drittel (65 Prozent) der Tätigkeiten, die ein berufstätiger Mensch in seiner täglichen Arbeitszeit verrichtet, nicht durch technische Lösungen zu ersetzen. Außerdem werden mehr neue Jobs geschaffen als technologiebedingt wegfallen.

"Überall dort, wo es auf Interaktion mit anderen, auf Empathie und Kreativität ankommt, werden auch künftig Menschen gebraucht. Das gilt insbesondere für das Gesundheitswesen sowie Lehre und Ausbildung, aber auch für das Management", erklärt Alexander Börsch, Chefökonom bei Deloitte. Die Nachfrage nach den entsprechenden Tätigkeiten werde in den nächsten Jahren steigen. Die Jobs der Zukunft zeichnen sich durch zwischenmenschliche Kommunikation und Teamfähigkeit aus.

"Die Befürchtung, dass Technologie Arbeitsplätze kostet, hat eine lange Tradition, unterschlägt jedoch, dass meistens nur Teile von Berufen ersetzt werden können und dass sich gleichzeitig die Nachfrage nach Berufen ändert", kommentiert Börsch das Studienergebnis. Sie zeige, dass ganze 2,1 Millionen neue Arbeitsplätze bis 2035 in Bereichen entstünden, in denen der Mensch unersetzlich ist und die überdurchschnittlich nachgefragt würden. Demgegenüber stehen 1,1 Millionen Jobs, die verloren gehen könnten, da sie weniger nachgefragt und leichter ersetzbar sind.

Alexander Börsch, Chefökonom bei Deloitte: "Viele vergessen, dass meistens nur Teile von Berufen durch Technologien ersetzt werden können und dass sich gleichzeitig die Nachfrage nach Berufen ändert."
Alexander Börsch, Chefökonom bei Deloitte: "Viele vergessen, dass meistens nur Teile von Berufen durch Technologien ersetzt werden können und dass sich gleichzeitig die Nachfrage nach Berufen ändert."
Foto: Deloitte

Auch wenn Automatisierungstechnologien den Menschen nicht ersetzen können, spielen sie künftig eine zentrale Rolle. Sie werden im Durchschnitt rund 35 Prozent der jetzt noch von Menschen erbrachten Arbeitszeit beziehungsweise der entsprechenden Tätigkeiten übernehmen und den Menschen so unterstützen können. Den größten Einfluss unter sechs betrachteten Technologien haben dabei Robotics und Data Analytics. Von den 35 Prozent übernehmen die Robotics-Technologien rund die Hälfte. Durch Data Analytics lassen sich acht Prozent der automatisierbaren Aufgaben erledigen.

"Unter dem Strich entstehen mehr Arbeitsplätze, als durch Automatisierung wegfallen. Dennoch wird es große strukturelle Änderungen geben - mit mehr fachlicher Spezialisierung und einer gesteigerten Bedeutung von Kommunikation", resümiert Nicolai Andersen, Managing Partner Consulting bei Deloitte. Der zu erwartende Einfluss der Automatisierung hänge vom jeweiligen Beruf, der Branche und den Fähigkeiten ab. Eine der interessantesten Fragen werde sein, wie sich einzelne Berufsbilder durch eine andere Schwerpunktsetzung gewissermaßen 'neu erfinden.'

Hinsichtlich Zukunftspotenzial liegt das Berufsfeld Gesundheit durch eine hohe Nachfrage und geringe Ersetzbarkeit der Tätigkeiten ganz vorne. Die Studie prognostiziert dort ein Stellenplus von rund 759.000 (+ 26 Prozent). Andere Jobs der Zukunft liegen in der Lehre und Ausbildung mit über einer halben Million neuen Arbeitsplätzen (+ 20 Prozent) sowie im Bereich "Unternehmensführung und -organisation, Recht und Verwaltung" mit 427.000 zusätzlichen Stellen (+ 9 Prozent).

"Doch auch in anderen Berufsfeldern werden nur selten ganze Berufsbilder wegfallen, sondern vielmehr Teilbereiche automatisiert", so der Deloitte-Experte. Gerade Routineaufgaben ließen sich leicht von Technologien erbringen. Dementsprechend sei der Routineanteil in den Jobs der Zukunft nur halb so groß wie in anderen Berufsgruppen.

Die abwechslungsreichen Bestandteile dieser Berufe sind vor allen Dingen interaktive und analytische Tätigkeiten wie Patienten- und Kundeninteraktion oder Projektplanung. "Affinität für zwischenmenschliche Kommunikation sowie kreatives und strategisches Denken sind Fähigkeiten, die man für die Jobs der Zukunft mitbringen sollte", analysiert Börsch. Laut Studie bestünden die Zukunftsjobs mindestens zur Hälfte aus Berufen, die eine akademische Qualifikation erfordern.