Kommentar

Ausgleichende Gerechtigkeit

31.10.1997

Das waren noch Zeiten! Damals, als der DV-Aufwand, so hoch er auch sein mochte, als notwendiges Übel galt und sich in den Gemeinkosten verstecken konnte. Als die Vertriebsbeauftragten eines gewissen Anbieters die IT-Budgets aufstellten und die Anwender glücklich waren, wenn ihnen die Informatik-Gurus ab und an etwas Nützliches angedeihen ließen.

Heute müssen die IT-Abteilungen, einst Bastionen unangezweifelten Herrschaftswissens, ihre Leistungen messen und beurteilen lassen. Profit-Center-gierige Controller sezieren das Gesamtkunstwerk DV-Unterstützung und ordnen seine feinsten Bestandteile unterschiedlichen Fachbereichen oder gar Prozessen zu. Und wenn den Kosten kein nachweisbarer Nutzen gegenübersteht, erhebt das Outsourcing-Gespenst sein Medusenhaupt. Vollständige Geschäftsprozesse, ja ganze DV-Bereiche fielen ihm schon zum Opfer.

Aber es gibt noch Gerechtigkeit: Nicht nur die Informatiker, auch deren Kunden stöhnen nun unter der Knute des DV-Controllings. Endlich läßt sich diesen nimmersatten Leistungsabnehmern im Detail nachweisen, wieviel kostbare IT-Ressourcen sie gewissenlos konsumiert haben. Sollen sie ruhig dafür löhnen! Das haben sie nun von ihrem Mißtrauen in die Wirtschaftlichkeit der DV-Leistungen.