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August

29.12.1998
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nicht so günstig verläuft die Geschäftsentwicklung bei Hewlett-Packard: Nach der Gewinnwarnung vor wenigen Wochen werden jetzt die Gehälter im mittleren und gehobenen Management gekürzt. National Semiconductor schickt seine Mitarbeiter angesichts der schweren Flaute im Halbleitergeschäft für zehn Tage in Zwangsurlaub. Auch Intel fordert seine Angestellten auf, unbezahlten Urlaub zu nehmen.

Der Siemens AG hat das desaströse Halbleitergeschäft ebenfalls arg zugesetzt. Unternehmenslenker Heinrich von Pierer entschließt sich, das erst vor 15 Monaten geöffnete Halbleiterwerk im englischen North Tyneside wieder zu schließen. Niemand glaubt ernsthaft, daß Siemens für das Werk einen Käufer finden wird. Asienkrise, Überproduktion und heftiger Preisdruck führen dazu, daß nahezu alle Anbieter in der Krise stecken.

Die Übernahme von Stratus Computer, einem Anbieter fehlertoleranter High-end-Systeme, läßt sich die Netzwerk-Company Ascend Communications 822 Millionen Dollar kosten. Die Stratus-Systeme werden vor allem von Telecom-Carriern eingesetzt, die darauf das Herzstück vieler Sprachkommunikationssysteme, die Software „Signaling System 7“ (SS7), fahren. Ascend verspricht sich von der Übernahme einen Vorsprung im Bereich der Sprach-Daten-Kommunikation, ein Marktsegment, das auch Cisco interessiert.

Der holländische Software-Anbieter Baan schlittert immer tiefer in die Krise. Mitbegründer Jan Baan tritt aus dem Vorstand zurück, nachdem er bereits vor wenigen Wochen das Amt des Chief Executive Officer an Tom Tinsley übergeben hatte. Als nächster Schritt wird nun die Entflechtung der Geschäfte mit Vanenburg Ventures erwartet. Dieses Unternehmen gehört den Brüdern Jan und Paul Baan. Es organisiert den indirekten Vertrieb sowie das Mittelstandsgeschäft. Baan war von der Börsenaufsicht vorgeworfen worden, den Verkaufswert von Produkten als Umsatz auszuweisen, die von den Vertriebsgesellschaften noch gar nicht ausgeliefert worden waren. In seinem dritten Quartal bilanziert das Unternehmen einen Verlust von rund 30 Millionen Dollar. Doch auch die SAP AG berichtet über ein verlangsamtes Wachstum. Marktforscher verkünden bereits das Ende der goldenen Zeiten für ERP-Anbieter.

Im Vorfeld des Antitrust-Prozesses gegen Microsoft geht es hoch her: Bill Gates streitet alle Monopolvorwürfe ab und klagt seinerseits gegen die 20 US-Bundesstaaten, die ihm an den Kragen wollen. Seine Begründung: Windows 95 und 98 seien urheberrechtlich geschützt, niemand könne Microsoft vorschreiben, wie damit umzugehen sei. Ferner weigert sich Gates, für eine zweitägige Vernehmung zur Verfügung zu stehen. Doch Richter Thomas Jackson zwingt ihn und das gesamte Topmanagement, vor Gericht zu erscheinen. Ein Antrag auf Ablehnung der Kartellklage scheitert ebenfalls.

Unterdessen erzwingt die Softwareschmiede Caldera, daß Microsoft Teile des Windows-3.x-Quellcodes zur Einsicht freigeben muß. Caldera hatte Anklage erhoben, weil Microsoft MS-DOS und Windows in unzulässiger und technisch nicht zu rechtfertigender Weise kopple, um anderer Anbieter DOS-Versionen - unter anderem das DR-DOS, das Caldera von Digital Research übernommen hatte - aus dem Markt zu drängen. Wie dumm nur, daß Microsoft ausgerechnet den Windows-95-Code verlegt hat...

Beim amerikanischen PC-Hersteller Packard Bell-NEC übernimmt jetzt die japanische NEC Corp. die Mehrheit der Anteile. Ihre Beteiligung wird von 49 auf 52,8 Prozent aufgestockt, nachdem NEC 225 Millionen Dollar in die US-Company investiert. Mit einer erneuten Finanzspritze über 25 Millionen Dollar ist außerdem die französische Groupe Bull dabei, die ihren Anteil auf zwölf Prozent erhöht.

Die ganze IT-Branche wartet auf Intels Wunderchip „Merced“, doch eine wirkliche Innovation versprechen sich Insider erst von dessen Nachfolger „McKinley“. Von diesem für das Jahr 2001 angekündigten Chip, der doppelt so schnell sein soll wie der IA-64-Erstling, erwarten Marktbeobachter den Durchbruch der 64-Bit-Technologie.

Überraschung im Softwaremarkt: Lange Jahre vom Erfolg verwöhnt, fällt Desktop-Publishing-(DTP-)Spezialist Adobe plötzlich in ein tiefes Loch. Das Softwarehaus kündigt Verluste und Entlassungen an - völlig überraschend für die Finanzwelt, die von einem Gewinn von 52 Cent je Aktie ausgegangen war. Reorganisation und Personalwechsel im Management stehen bevor.

In dieser Phase macht der gesündere Erzrivale, DTP-Marktführer Quark, ein unsittliches Angebot. Notfalls werde man sich Adobe im Rahmen einer feindlichen Übernahme einverleiben. Das Adobe-Management wehrt sich entschieden gegen den Übergriff des fünfmal kleineren Wettbewerbers und engagiert einen Investment-Banker, der alles daran setzen soll, die Übernahme so teuer wie möglich zu gestalten. Die Akquisition findet nicht statt.

Im mittelständisch geprägten deutschen Softwaremarkt kommt es zu einer interessanten Verbindung: Die BIW GmbH, Weinstatt, und die Rembold + Holzer Holding in Breisach beschließen ihren Zusammenschluß zur Brain International Holding AG. Die fusionierten AS/400-Softwarehäuser bedienen gemeinsam rund 1200 mittelständische Kunden und wähnen sich auf Rang acht der deutschen Softwarehaus-Rangliste.