IDC-Studie „Internet of Things in Deutschland 2018

Aufbruchsstimmung für IoT in Deutschland

23.03.2018
Von 


Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Die Marktforscher von IDC gehen auf Basis aktueller Umfrageergebnisse davon aus, dass nach großen Anlaufschwierigkeiten 2018 das Jahr des IoT-Durchbruchs für Unternehmen in Deutschland werden könnte.

Das Internet of Things (IoT) liefert Unternehmen wertvolle Daten, beispielsweise über Maschinen, Produkte und Transportmittel, die zu einer besseren Entscheidungsfindung herangezogen werden können. Dadurch ergeben sich für deutsche Firmen mögliche Vorteile gegenüber dem ausländischen Wettbewerb, insbesondere für die hierzulande so wichtige Fertigungsbranche (Stichwort Industrie 4.0). Allerdings droht, so die Marktforscher, für deutsche Unternehmen auch die Gefahr, ins Hintertreffen zu geraten, falls sie nichts tun.

Auch in Deutschland beschäftigen sich jetzt immer mehr Unternehmen mit dem Internet of Things.
Auch in Deutschland beschäftigen sich jetzt immer mehr Unternehmen mit dem Internet of Things.
Foto: weedezing - shutterstock.com

Um Einblicke in die Umsetzungspläne, Herausforderungen und Erfolgsfaktoren in puncto IoT-Technologien zu erhalten, hat IDC im Januar für die Studie "Internet of Things in Deutschland 2018" insgesamt 444 Unternehmen und Behörden aus acht Branchen in Deutschland mit mehr als 100 Mitarbeitern befragt.

Die wichtigste Erkenntnis: Unternehmen in Deutschland haben nach wie vor Schwierigkeiten bei der Umsetzung von IoT-Initiativen. So haben nur 34 Prozent der Umfrageteilnehmer IoT-Initiativen umgesetzt oder im Rahmen einer Pilotphase im Einsatz.

Allerdings gibt es Hinweise, dass das laufende Jahr für viele zum Wendepunkt wird: 72 Prozent der von IDC befragten Organisationen planen 2018 mindestens ein neues IoT-Projekt. Ein fast ebenso hoher Anteil (68 Prozent) hat hierfür auch ein Budget bereitgestellt.

Viele IoT-Projekte im Planung

"Die eingeplanten Budgets der befragten Unternehmen unterstreichen die großen Ambitionen", sagt Laura Hopp, Consultant bei IDC, und verweist auf das Versicherungs- und Finanzwesen sowie die Maschinen- und Anlagenbauer. In beiden Branchen planen 85, beziehungsweise 78 Prozent der Befragten 2018 ein neues IoT-Projekt. Und bei 77, respektive 76 Prozent ist auch die Finanzierung dafür bereits gesichert.

Deutlich unterfinanziert ist die öffentliche Verwaltung: Hier wollen zwar 73 Prozent der Befragten in diesem Jahr ein neues IoT-Projekt anstoßen, Budget dafür haben allerdings nur 53 Prozent eingeplant. "Die deutliche Diskrepanz zwischen Planungsvorhaben und Finanzierung zeigt, dass die öffentliche Hand offenbar stark auf Fördergelder oder Wirtschaftskooperationen hofft", so die Erklärung von IDC-Analystin Hopp.

Bei IoT-Projekten schwimmen das Versicherungs- und Finanzwesen sowie die Maschinen- und Anlagenbauer ganz vorne mit.
Bei IoT-Projekten schwimmen das Versicherungs- und Finanzwesen sowie die Maschinen- und Anlagenbauer ganz vorne mit.
Foto: IDC

Knappe Kassen sind jedoch nur eine Hürde auf dem Weg zum IoT-Projekt. So verwies jedes vierte Unternehmen auf die hohe Komplexität bei der Auswahl von Technologien und Anbietern. Des Weiteren wurde das Fehlen von ganzheitlichen IoT-Lösungen als Herausforderung genannt. Hinzu kommt die Befürchtung, dass durch IoT Sicherheitslücken in den IT-Systemen entstehen können - das gaben jeweils 20 Prozent an (Mehrfachnennungen möglich). Eine ähnlich hohe Anzahl bekundete Schwierigkeiten bei der Durchsetzung des Datenschutzes, der Sicherstellung von Budget, sowie beim Finden geeigneter Fachkräfte für die Umsetzung.

Die Qual der IoT-Plattform-Wahl

Dass IoT-Plattformen das Management von IoT-Umgebungen ungemein erleichtern, wird zunehmend erkannt Laut IDC-Umfrage haben 20 Prozent bereits eine Plattform, weitere 51 Prozent planen den Einsatz in 2018. Viele Entscheider stehen allerdings vor der Herausforderung, aus einem unübersichtlichen, sich konsolidierenden Markt mit über 400 Plattformen ihre Wahl zu treffen.

Zumal die Lösungen unterschiedliche Reifegrade aufweisen, worauf Mark Alexander Schulte, Senior Consultant und Projektleiter bei IDC, hinweist: Während die erste Generation von IoT-Plattformen lediglich das Management der vernetzten Objekte sowie der Konnektivität ermöglicht, unterstützt die zweite darüber hinaus das Management von Applikationen sowie die Verarbeitung und das Reporting der Daten. Die dritte Generation enthält zusätzlich Advanced-Analytics-Funktionalitäten, wie beispielsweise Cluster-Analysen und Machine Learning.

IDC empfiehlt hier den Unternehmen, bei der Auswahl ihrer IoT-Plattform neben aktuellen Bedürfnissen immer auch die Anforderungen ihrer künftigen Use Cases mit einzukalkulieren. Letztendlich gehen die Analysten davon aus, dass sich die Anbieter durchsetzen werden, die umfassende und innovative Funktionalitäten, gerade auch im Hinblick auf Analytics, im Portfolio haben.

Narrowband IoT & Co. noch wenig verbreitet

Was das Thema Connectivity angeht, setzen die Unternehmen laut Umfrage auf Mobilfunkverbindungen (40 Prozent), kabelgebundene Verbindungen (38 Prozent) und Nahbereichsverbindungen wie WLAN oder Bluetooth (34 Prozent). Innovative Technologien wie Low Power Wide Area Networks (LPWAN) sind hingegen mit 12 Prozent noch wenig verbreitet. IDC geht allerdings davon aus, dass sich LPWAN aufgrund von Vorteilen wie dem geringen Energieverbrauch der IoT-Geräte und die hohe Reichweite mittelfristig stärker durchsetzen wird.

Auch dem Thema Edge-Computing prophezeien die Analysten einen starken Anstieg: Bis 2019 sollen 40 Prozent der IoT-Daten im oder in der Nähe des vernetzten Objekts verarbeitet werden. Aktuell wird Edge Computing laut Umfrage von 14 Prozent der Firmen eingesetzt, weitere 32 Prozent planen einen Einsatz bis Ende des Jahres.

Und wenn wir schon mal bei Hype-Themen sind: Zwar sind IoT-Lösungen in Kombination mit Blockchain hierzulande aktuell noch nicht weit verbreitet, allerdings haben 38 Prozent der befragten deutschen Unternehmen den Einsatz entsprechender Lösungen innerhalb der nächsten 12 Monate in der Planung. Die Umfrageteilnehmer schätzen an Blockchain vor allem die Durchführung von mehreren Transaktionen in kürzerer Zeit (43 Prozent), die Absicherung der IoT-Daten (41 Prozent) sowie die bessere Nachweisbarkeit der Kontrollkette (36 Prozent). So will beispielsweise die Logistikbranche mit Smart-Contract-Anwendungen die Supply Chain optimieren. IDC-Analyst Schulte warnt jedoch davor, das Thema überzubewerten: "Der immens hohe Bedarf an Rechen- und Speicherressourcen sollte nicht unterschätzt werden. Blockchain ist daher nicht zwingend das Mittel der Wahl für alle IoT-Anwendungen."