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Auch Indien blockiert Web-Seiten

19.07.2006
Das indische Ministerium für Telekommunikation hat lokale ISPs angehalten, den Zugang zu einer Reihe von Websites zu sperren. Viele davon sind Blogs (Weblogs).

Ob dabei ein Zusammenhang mit den Bombenanschlägen auf die Mumbaier Vorortzüge in der vergangenen Woche besteht, ist nicht bekannt. Die über 15 zu sperrenden Sites, teils gehostet bei Blogger (Google) und GeoCities (Yahoo!), werden laut "Wall Street Journal" teils von islamischen Geistlichen, konservativen Hindus sowie Dalits - der untersten Kaste Indiens, oft geringschätzig als "Unberührbare bezeichnet - betrieben. Wie die Blockade technisch vonstatten geht und ob alle Surfer in Indien betroffen sind, wollten die Internet-Dienstleister nicht sagen.

Das Recht auf freie Meinungsäußerung hat Indien, die größte Demokratie der Welt, bislang nie eingeschränkt. Nach den Anschlägen von Mumbai sind aber zum wiederholten Male Forderungen nach Regelungen für mögliche Sicherheitsbedrohungen und besserer Geheimdienstarbeit laut geworden.

Betroffene Blogger gaben an, es handele sich eher um eine Unbequemlichkeit denn eine echte Blockade; auf Umwegen hätte sie ihre Sites zumeist erreichen können. Einige wundern sich trotzdem, warum gerade ihre Seite auf die schwarze Liste der Regierung gelangt ist. So zum Beispiel Rahneesh Rallan aus Mumbai, der seine persönliche Site auf Blogger.com ebenso wenig erreichen kann wie seine Familie und Freunde. Dabei schreibt er dort nur über die Vorzüge synthetischer Schmierstoffe und seine Lieblingsregisseure und -filme aus Europa.

"Es gibt auf meiner Seite nichts Gefährliches", beteuert Rallan. Auch das Blog seiner Mutter auf Blogger.com sei nicht erreichbar. Eine Google-Sprecherin erklärte, man untersuche den Vorfall um herauszufinden, ob und gegebenenfalls warum das passiert sei. Auch Yahoo! untersucht nach eigenen Angaben ähnlich gelagerte Fälle. (tc)