Open Software Foundation desinteressiert

AT&T-Tochter schlägt Brücke zwischen Open Look und Motif

11.05.1990

MÜNCHEN (CW) - Die Unix Software Operation (USO) der Unix-Mutter AT&T bemüht sich um ein Common Application Programming Interface (API) zwischen den konkurrierenden Benutzeroberflächen OSF/Motif und Open Look.

Bei der Open Software Foundation (OSF) löst diese Aktion wenig Begeisterung aus. "AT&T hat in letzter Zeit quasi in Heimarbeit untersucht, ob es hier ein Common-API gäbe", bestätigt Paul Wahl, Europa-Direktor der Open Software Foundation, die in der Branche kursierenden Vermutungen.

Nach Aussagen des OSF-Managers sei eine solche Schnittstelle jedoch nur dann sinnvoll, "wenn eine Applikation ohne Veränderung auf verschiedenen Systemen ablauffähig ist".

Da sich diese Bedingung derzeit nicht erfüllen lasse, stehe ein Common-API zwischen OSF/Motif und Open Look für die OSF nicht im Vordergrund des Interesses. Wahl erläutert: "Letztendlich bedeutet es für den Anwendungsentwickler wenig Hilfe, wenn er eine 70- oder 80-Prozent-Lösung bekommt. Damit haben wir immer noch keine zufriedenen Kunden."

Nichtsdestotrotz steht die Arbeit der USO an der umstrittenen Programmierschnittstelle offensichtlich kurz vor dem Abschluß. Wie Morris Schwartz, der europäische Vertriebs- und Marketing-Direktor der Unix Software Operation, gegenüber dem britischen Informationsdienst "Computergram" äußerte, will die USO ihr Common-API bereits im Juni bei der European Unix User Show in London präsentieren.