Gewinn des US-Telefonkonzerns ist auf Minimum gesunken:

AT&T erlebt 1986 finanzielles Debakel

20.02.1987

NEW YORK (bk) - Drastisch geschrumpft ist der Reingewinn des amerikanischen Telekommunikationskonzerns AT&T im abgelaufen Geschäftsjahr. Dabei mußte das Unternehmen vor allem im vierten Quartal hohe Verluste einstecken.

Gerade noch 139 Millionen Dollar Gewinn kann die American Telephone and Telegraph Co. (AT&T) für das Geschäftsjahr 1986 ausweisen. Verglichen mit den 1,56 Milliarden Dollar vom Vorjahr kommt dieses Ergebnis einem finanziellen Debakel gleich. Speziell im Schlußquartal taten sich wahre Abgründe auf. Wegen Abschreibungen von 3,2 Milliarden Dollar mußte AT&T in den letzten drei Monaten des Geschäftsjahres ein Defizit von 1,27 Milliarden Dollar hinnehmen. Zurückzuführen sind die hohen Belastungen überwiegend auf Umstrukturierungsmaßnahmen wie Personalreduzierung, Umorganisation, Änderung von Geschäftsmodalitäten. Ohne die notwendig gewordenen Abschreibungen, bedauert AT&T-Chairman James E. Olson, hätte das Unternehmen 1986 ein Nettoeinkommen von rund 1,8 Mrd. Dollar erzielen können.

Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Olson nicht mit einem schnellen Aufschwung. Ziehe AT&T, so der Chairman, jedoch künftig mehr Nutzen aus den Stärken bei der Datenübermittlung per Telefon, könnten die Gewinne 1987 durchaus wieder wachsen. Gerade dem Gebiet des "Networking" prophezeien Experten hohe Wachstumschancen. Amerikanische Marktbeobachter gehen davon aus, daß sich AT&T für dieses Geschäft auch japanische Partner suchen wird, um auf den drei wichtigsten Märkten USA, Europa und Japans vertreten zu sein.

Überdenken will der US-Konzern vor allem sein Engagement im Computerbereich. Seit dem Einstieg ins Rechnergeschäft, so Olson, habe dieser Sektor dem Unternehmen nur Arger gebracht.