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@CeBIT: SCO stellt ASP-Version von Tarantella vor

25.02.2000

HANNOVER (COMPUTERWOCHE) - Die Santa Cruz Operation (SCO) rüstete ihre Middleware "Tarantella" um Funktionen nach, die ihren Einsatz bei Application-Service-Providern (ASPs) erlauben soll. Die Unix-Company will zudem Services bei Abrechnung und Auswertung der Anwendungsnutzung anbieten.

Bei Tarantella handelt es sich um eine Server-basierte Middleware, die die Bildschirmausgabe von Host-, Unix- oder Windows-Anwendungen an jeden Java-fähigen Browser bringen kann. Im Backend kommuniziert die Software mit den nativen Protokollen der jeweiligen Systeme, also X.11 bei Unix und 3270 bei Hosts. Bisher mußte SCO für den Zugriff auf Windows-Applikationen auf "Metaframe" von Citrix zurückgreifen. Tarantella 2 setzt nun direkt auf das Remote Desktop Protocol (RDP) von Microsofts Terminal Server auf.

Der Unix-Spezialist sieht Tarantella als wesentlichen Bestandteil für die Infrastruktur von ASPs, da es den entfernten Zugriff auf unterschiedliche Anwendungen von diversen Clients erlaubt. Da die nötigen Client-Applets automatisch im Browser heruntergeladen werden, ist auch keine lokale Installation von Software nötig. Allerdings gehört es zum Geschäftsmodell von ASPs, dass sie die Nutzung von Programmen abhängig von Dauer oder Ressourcenverbrauch abrechnen können.

Die dafür angepasste Version zeichnet entsprechende Daten auf und umfasst Tools, mit denen sich diese für die Abrechung aufbereiten lassen. Zusätzlich will SCO die Integration seiner Middleware mit Billing-Systemen als Service anbieten. Geplant sind zudem Data-Mining-Funktionen, mit deren Hilfe sich das Benutzerverhalten analysieren lässt. Auch hier will die Unix-Company die Anbindung an entsprechende Programme bieten, aber nicht selbst solche Software auf den Markt bringen.

SCO will sich selbst des Geschäftsmodells von ASPs bedienen und die eigenen Kunden in diesem Bereich ebenfalls über die eingebauten Abrechnungsfunktionen abhängig von der Nutzung zur Kasse bitten. Tarantella ist in Ausführungen für diverse Unix-Derivate und Windows NT erhältlich. Eine Linux-Variante gab das Softwarehaus vor kurzem frei.

Für die Unix-Company gewinnt der Tarantella-Geschäftszweig im Vergleich zum Unix-Business zunehmend an Bedeutung. Dies äußerte sich Ende letzten Jahres im steilen Kursanstieg der dahindümpelnden SCO-Aktie nach der Präsentation von "Tarantella 2". Nach inoffiziellen Informationen aus Führungskreisen erwägt das kalifornische Unternehmen daher jetzt die Ausgliederung der Tarantella-Einheit in eine eigene Company.