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Arbeitnehmer kritisieren Microsofts Offshore-Aktivitäten

29.07.2004

Microsoft greift in der Softwareentwicklung offenbar erheblich häufiger auf Offshore-Dienstleister zurück als bisher bekannt. Das berichtet die US-amerikanische Arbeitnehmervereinigung Washtech unter Berufung auf interne Dokumente. Angesichts lauter öffentlicher Kritik hat der IT-Konzern IBM unterdessen seine Offshore-Pläne reduziert.

Wie das "Wall Street Journal" berichtet, listen die Microsoft-Dokumente eine Vielzahl von Verträgen mit indischen IT-Dienstleistern auf, darunter Infosys Technologies und Wipro. Allein Infosys arbeitet demnach an 131 Projekten, in denen es beispielsweise auch um einen "Longhorn Migration Guide" und Testwerkzeuge für die nächste Betriebssystem-Generation Microsofts gehe. Bereits Mitte Juni zitierte die "New York Times" aus firmeninternen Papieren, aus denen hervorgehen soll, dass der Hersteller nicht nur einfache Programmiertätigkeiten sondern auch hochqualifizierte Aufgaben von Offshore-Anbietern erledigen lasse (Computerwoche.de berichtete).

Eine Firmensprecherin wies diese Darstellung zurück. Sämtliche Entwicklungsarbeiten für Longhorn und Kerntechnologien des Unternehmens würden ausschließlich von Microsoft-Angestellten geleistet. Nur vier Prozent des gesamten Forschungs- und Entwicklungsbudgets flössen an externe Firmen. Der Anteil der Firmen außerhalb der USA liege unter einem Prozent.

Der IT-Konzern IBM hat unterdessen auf harsche Kritik der Belegschaft reagiert und seine Offshore-Pläne zurückgefahren. Auslöser waren ebenfalls interne Dokumente, die US-Medien zugänglich gemacht wurden. Demnach plante das Unternehmen, innerhalb von zwei Jahren fast 5000 Arbeitsplätze nach Brasilien, Indien oder andere Niedriglohnländer zu verlagern. In vielen Fällen handelte es sich um hochqualifizierte Stellen in der Softwareentwicklung. Wie IBM-Manager Ted Hoff gegenüber dem "Wall Street Journal" bestätigte, sollen nun doch mehr offene Positionen mit eigenen Mitarbeitern besetzt werden, die andernfalls aufgrund von Offshore-Aktivitäten entlassen worden wären. Zahlen nannte er nicht. Die Debatte um die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland habe zu der Entscheidung beigetragen, so Hoff. (wh)