Programmierer sind für neue Jobs offen

Arbeitgeber verstehen Entwickler nicht

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting sowie Social Media im Berufsleben.
Programmierer fehlen in Europa an allen Ecken und Enden. Laut aktuellen Daten der EU-Kommission trifft dies besonders auf die DACH-Region zu. Arbeitgeber machen aber immer wieder Fehler im Recruiting von Entwicklern.
  • Developer beklagen, dass Personaler wenig bis gar nichts über das Programmieren wissen.
  • Jede zweite Programmiererstelle ist für Unternehmen nur schwer zu besetzen.
  • Entwickler ärgert sich über überholte Kontroll- und Reporting-Zwänge.

Keine oder nicht genug Programmierer für offene Stellen bedeutet gewaltige Wirtschaftseinbußen für Unternehmen. So gibt es in Deutschland bei jeder zweiten Besetzung von offenen Entwicklerpositionen Probleme. Hierzulande sollen etwa 50.000, in Österreich rund 5000 IT-Profis fehlen - der Großteil davon Developer. In der gesamten EU sind es laut EU-Kommission bis 2020 sogar eine Million IT-Fachleute zusätzlich, die benötigt werden. Und der aktuelle Wirtschaftsaufschwung verschärft die Nachfrage nach Developern noch einmal enorm.

Viele HR-Abteilung können sich mangels Expertise nicht richtig in das Berufsbild des Entwickler hineinversetzen.
Viele HR-Abteilung können sich mangels Expertise nicht richtig in das Berufsbild des Entwickler hineinversetzen.
Foto: ronstik - shutterstock.com

Öffentliche und private Ausbildungsinitiativen wie etwa das private Bildungsinstitut CODE für das Berufsbild Softwareentwickler gibt es noch immer viel zu wenige. Arbeitgeber müssen deshalb vorhandene Ressourcen besser ausschöpfen. Das ist die Kernaussage einer repräsentativen Studie, für die Mindtake Research im Auftrag der europäischen Programmierer-Plattform WeAreDevelopers 444 Entwickler aus der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und dem CEE-Raum (Osteuropa und Balkan) befragt hat. Erstes überraschendes Ergebnis: Nur sechs Prozent der Programmierer suchen aktiv einen neuen Arbeitgeber. Aber fast jeder zweite Entwickler (41 Prozent) wäre für einen neuen Job offen. Und noch ein bemerkenswertes Ergebnis: 86 Prozent der Programmierer sind zu einem Jobwechsel ins Ausland bereit. Beliebteste Ziele sind Deutschland, Schweden und Großbritannien.

Entwickler wollen flexible Arbeitszeiten und Home Office

Welche Konsequenzen können nun Unternehmen aus diesen Ergebnissen ziehen? Gewinnen werden im Rennen um die besten Tech-Köpfe jene Firmen, die Programmierer europaweit erreichen und professionell ansprechen. Genau das ist laut einer weiteren aktuellen WeAreDevelopers-Umfrage (507 Befragte) der größte Kritikpunkt der europäischen Programmierer-Community: mangelnde Programmierfachkenntnis der einstellenden Personen, sprich vor allem der CIOs und Personaler. Neun von zehn befragten Entwicklern beklagten sich darüber, dass die Abteilung Human Ressources wenig bis gar nichts über das Programmieren wissen. "Gerade Developer setzen IT-Kenntnisse für eine vernünftige und sinnvolle Kommunikation auf Augenhöhe voraus", so die Studie. Der zeithäufigste Kritikpunkt hängt eng mit dem ersten zusammen: 85 Prozent der Befragten bemängeln, dass die Arbeitgeberseite auf Anhieb Fragen zur konkreten Position und dem Tätigkeitsfeld nicht beantworten kann. Ebenfalls 85 Prozent der Entwickler kritisieren ein "unpassendes Arbeitsumfeld". Konkret bedeutet dies: Der Entwickler bevorzugt Flipflops und kurze Hose statt Anzug und Schlips, er wünscht sich flexible Arbeitszeiten inklusive Home Office und ärgert sich über überholte Kontroll- und Reporting-Zwänge.

Developer monieren schlechte Jobbeschreibungen

Weitere Kritikpunkte der Computerfachleute sind der mangelnde Wissensstand des künftigen Arbeitgebers zum Team, in dem der Entwickler arbeiten, wird gefolgt von offensichtlichen Fehlern in der Jobbeschreibung. Verärgert sind die befragten IT-Experten auch darüber, wenn sich beim Erstkontakt herausstellt, dass die beschriebene Position nichts mit der Realität und dem tatsächlichen Job zu tun hat. Dieser Punkt ist für drei von vier Programmierern genauso ausschlaggebendes Negativkriterium wie die vergebliche Überzeugungsarbeit für veraltete Technologien und Programmiersprachen, die im Unternehmen im Einsatz sind. Schließlich beklagt etwa die Hälfte der Studienteilnehmer ein mangelndes Feedback im Einstellungsverfahren sowie ein "wahres Bombardement" an Jobanfragen, und das auch dann, wenn die gewünschten Fähigkeiten beim Kandidaten offensichtlich nicht vorhanden sind.