Qualitätsoffensive

Apple verbietet neue Sex- und Dating-Apps

06.03.2020
Von 


Simon Lohmann ist Volontär bei der IDG Business Media GmbH. Im September 2017 beendete er sein Studium „Medienkommunikation & Journalismus“ an der FHM in Hannover, seit 2015 ist er freier Journalist bei der Macwelt.
Apple platzt der Kragen: Im App Store befinden sich angeblich zu viele Apps, die nicht den qualitativen Ansprüchen des Unternehmens genügen. In seinem Entwicklerportal macht Apple deshalb nun kurzen Prozess - und nennt eine Liste an Apps, die es zukünftig nicht mehr in seinem App Store sehen will.
Apple verbannt zukünftig Dating-Apps aus dem App Store.
Apple verbannt zukünftig Dating-Apps aus dem App Store.
Foto: Shutterstock / Tero Vesalainen

Erinnern Sie sich noch an die ersten Quatsch-Apps für das iPhone? Wie etwa die App "iBeer", bei der ein Bierglas auf dem iPhone simuliert wird und sobald dieses zur Seite kippt, sich auch das Glas leert? Dabei ist diese nur eine von vielen Apps, welche die Nutzer in der Anfangsphase begeisterte.

Die iBeer-App war in der Anfangsphase des iPhone DER Party-Hit schlechthin!
Die iBeer-App war in der Anfangsphase des iPhone DER Party-Hit schlechthin!
Foto: App Store / Hottrix

Nicht zu vergessen: die digitalen Pups-Kissen. Das iPhone wurde zwar bereits 2007 vorgestellt, doch erst ein Jahr später kam die digitale Revolution durch immer mehr App-Angebote so richtig in Schwung. Wie der Stern berichtet, wurden allein am 17. Dezember 2008 sage und schreibe 14 neue Pups-Apps im App Store aufgenommen.

Damit soll nun aber Schluss sein. Apple will wieder Applikationen mit Qualität in seinen App Store bringen und hat daher in seinem Entwicklerportal seine Richtlinien für die Überprüfung im App Store aktualisiert. Im vierten Kapitel "Design" finden Entwickler unter Punkt "4.3 Spam" folgende Anweisung an die Entwickler:

"Vermeiden Sie es auch, Apps für eine bestimmte Kategorie zu entwickeln, die bereits gesättigt ist; der App Store hat bereits genug Furz-, Rülps-, Taschenlampen-, Wahrsagerei-, Dating- und Kamasutra-Apps."

Apple geht aber noch einen Schritt weiter:

"Wir werden diese Apps ablehnen, sofern sie nicht ein einzigartiges, qualitatives Erlebnis bieten." Darüber hinaus macht Apple deutlich, dass demjenigen, der sich nicht an die Regeln hält und den App Store trotzdem mit solchen Apps versucht vollzumüllen, der Ausschluss vom Entwicklerportal droht.

Die Frage aller Fragen lautet nun: Wie sieht eine Dating- oder Sex-App aus, die ein "einzigartiges, qualitatives Erlebnis" bietet? Auf diese Anforderung geht Apple nämlich selbst gar nicht so genau ein und lässt viel Raum für Interpretationen.

Aus dem Entwicklerportal geht ebenfalls nicht hervor, wie Apple mit bereits existierenden und durchaus beliebten Dating-Apps, wie etwa Tinder, Lovoo oder Parship verfahren will. Prognosen gehen davon aus, dass bis 2024 weltweit rund 280 Millionen Nutzer Online-Singlebörsen nutzen werden. Dass Apple sich zukünftig diesem Markt komplett verschließen will, ist eher unwahrscheinlich. Die Maßnahmen deuten eher darauf hin, dass Nutzer vor einem Überangebot geschützt werden sollen. (Macwelt)