So erschwert Apple den Akkutausch

Apple verbaut heimlich Batteriesperren

10.08.2019
Von Kris Wallburg
Unentdeckt hat Apple eine Sperre eingebaut, die Nutzer daran hindert, das "Battery Health"-Feature mit Ersatzbatterien zu nutzen. Selbst bei originalen Apple-Batterien. Damit erschwert Apple weiter absichtlich Reparaturen durch Drittanbieter. Wir haben mit dem Mann gesprochen, der diese Einschränkung aufgedeckt hat.
Mit einer Batteriesperre will Apple den Akkutausch durch günstige Drittanbieter verhindern.
Mit einer Batteriesperre will Apple den Akkutausch durch günstige Drittanbieter verhindern.
Foto: Gui Siebert - shutterstock.com

Apple hat seine Batterien mit einem Chip versehen, der es Drittanbietern fast unmöglich macht, einen Batterieaustausch ohne Einbußen in der Funktionalität des iPhones vorzunehmen. Das Feature "Battery Health" dient dazu, die Lebensdauer der eigenen Batterie zu überwachen und zu wissen, wann ein Austausch vorzunehmen ist. Eine hervorragende Funktion, durch die der Nutzer nicht mehr auf reines Rätselraten angewiesen ist, um den richtigen Zeitpunkt für den Austausch zu bestimmen.

Doch durch den verbauten Chip in der Batterie ist diese Funktion nicht mehr nutzbar, sollte die Batterie von jemand anderes als Apple selbst oder einem von Apple zertifizierten Serviceprovider ausgetauscht werden. Und das selbst, wenn die Ersatzbatterie eine Original Apple-Batterie ist. Statt Angaben über den Zustand der Batterie gibt das iPhone nur noch die Meldung "Service" aus.

Der in der Batterie verbaute Chip ist mit einem "Secure Memory Key" versehen, der einen einzigartigen Code enthält. Erhält das iPhone von der Batterie einen anderen Code als den im iPhone hinterlegten, wird es als fremde Hardware erkannt. Selbst wenn die Batterie original ist. Diese Information stammt aus dem Datenblatt eines Micro-Controllers von Texas Instruments, der in der Batterie verbaut ist. Apple nutzt zwar seine eigene, proprietäre Version des Controllers, dieser gleicht jedoch in den wesentlichen Merkmalen dem von Texas Instruments.

Entdeckt wurde diese Einschränkung von Justin Ashford. Der US-Amerikaner, der zur Zeit in Chinas technologischem Hotspot Shenzhen lebt, ist Teil der Right-to-Repair-Bewegung, die sich gegen Hersteller einsetzt, die Reparaturen von Geräten absichtlich schwer gestalten um so ihren eigenen Profit zu erhöhen. Apple ist seit langem ein Feindbild der Bewegung, da der Konzern zunehmend versucht, Reparaturen außerhalb der eigenen Service-Einrichtungen so schwer wie möglich zu machen. Seine Entdeckung machte Ashford auf Reddit publik und veröffentlichte auch ein Video dazu.

Justin Ashford im Gespräch

Wir haben mit Ashford gesprochen. Er sieht nicht nur die Besitzer von iPhones benachteiligt, sondern auch die Reparatur-Shops, die den Batterie-Tausch anbieten. Denn der Kunde könnte denken, dass die eingesetzte Batterie von minderwertiger Qualität ist.

"Das Problem für den Verbraucher ist darauf zurückzuführen, dass er sich daran gewöhnt hat, sagen zu können, wann seine Batterie ersetzt wird. [...] Seit zwei Jahren wirbt Apple für sein Battery-Health-Feature als innovativen Weg für seine Kunden, um nicht nur einen einfachen Ausfall der Batterie zu erkennen, sondern auch herauszufinden, wann es an der Zeit ist, die Batterie zu ersetzen (Apple hat das Battery-Health-Feature mit iOS 11.3 im Frühling 2018eingeführt. Anm. d. Red). [...] Ein weiteres Problem ist, dass Sie als Kunde, wenn Sie nicht so gut über Apples Battery Health informiert sind, Sie die Nachricht "Service" leicht falsch interpretieren könnten. [...], wie zum Beispiel, dass die neue Batterie, die Sie haben, von minderer Qualität ist, auch wenn das nicht der Fall sein mag"

Die Rolle Apples bei Reparaturen sieht er grundsätzlich problematisch:

"Ich sehe deutlich, dass Apple versucht, den Reparaturmarkt zu monopolisieren, um so viel wie möglich davon im eigenen Unternehmen zu halten. Sie kümmern sich nicht um die Reparaturindustrie als Ganzes und möchten lieber, dass keiner von uns existiert. Dennoch sind es unsere Techniker, die hier draußen die schweren Arbeiten durchführen, wenn es um die Datenwiederherstellung geht, und die ihre rückrufwürdigen Reparaturprobleme bereinigen, wie z.B. das Touch-ID-Problem bei dem iPhone 6 & 6 Plus."

Das Argument, Apple wolle mit seiner Strategie lediglich verhindern, dass minderwertige Teile in den eigenen Produkten verbaut werden, möchte Ashford nicht gelten lassen:

"Welches Recht haben sie, einem Verbraucher zu sagen, was sie tun dürfen und was nicht, nachdem sie etwas gekauft haben? [...] Ich würde sagen, in den letzten ein oder zwei Jahren ist die Qualität der Ersatzteilteile durch die Decke gegangen, während wir uns bemühen, die Gesamtqualität zu verbessern. [...] Meine Meinung ist, dass, selbst wenn wir ohne den Schatten eines Zweifels beweisen könnten, dass ein geschaffenes Teil sogar das 10-fache der Qualität eines Apple-Originals hat, sie behaupten würden, dass es minderwertig ist. Es geht nicht um die Teile für sie, sondern um Gier."

Unser Kommentar

Apple hat in den vergangenen Jahren viele Schritte unternommen, um die Nachhaltigkeit im eigenen Unternehmen zu erhöhen. Und immer wieder haben wir lobend darüber berichtet. Wie zum Beispiel darüber, dass Apple in allen Büros und Stores zukünftig zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien setzen möchte. Oder der Ausbau des eigenen Recyling-Programms. Leider gibt es aber immer wieder die Meldungen über Schritte, die Apple unternimmt, um Reparaturen an den eigenen Geräten für Außenstehende so schwierig wie möglich zu gestalten.

Und das ist nicht nur ein unsympathischer Weg der Gewinnmaximierung, sondern gleichzeitig wenig zuträglich für die Nachhaltigkeit. Denn Reparaturen bei Apple sind teuer und verleiten Kunden im Zweifelsfall sogar dazu, direkt zu einem neuen Gerät zu greifen. Wir hoffen, dass Apple in dieser Thematik einlenken wird und der Nachhaltigkeit sowie der eigenen Glaubwürdigkeit zuliebe Reparaturen durch Drittanbieter wieder erleichtert. (Macwelt)